Inhalt: Als Llewelyn Moss
(Josh Brolin) zum
Jagen in die texanische
Steppe
aufbricht ahnt er
noch nicht, dass er durch Zufall
eine Entdeckung macht,
die sein Leben für immer verändern
wird. Als er nämlich
sein anvisiertes Tier nur verwundet
anstatt es zu töten
und dieses daraufhin flüchtet,
nimmt er die Verfolgung
auf. Auf seiner Suche nach
dem verwundeten Vieh stößt
er dann plötzlich mitten in
der Ödnis auf ein halbes Dutzend
Autos, deren Besitzer
alle von Kugeln durchsiebt
auf dem staubigen Boden liegen.
Auf der Ladefläche eines
der Autos befindet sich eine
riesige Menge Heroin und
weiter abseits des Tatorts findet
Llewelyn einen Koffer mit
zwei Millionen Dollar darin.
Er entscheidet sich das Geld
mit nach Hause zu seiner Frau
Carla Jean (Kelly Macdonald)
zu nehmen und es dort erst
einmal zu verstauen. Doch
die Leute, denen das Geld
gehört haben kein Interesse
selbiges Llewelyn so ohne
Weiteres zu überlassen und
hetzen ihm deshalb den gnadenlosen
Killer Anton Chigurh
(Javier Bardem) auf den Leib.
Dieser zieht bei seiner Suche
nach Llewelyn eine Schneise
der Gewalt durch das Land
und macht so Sheriff Ed Tom
Bell (Tommy Lee Jones) auf
sich aufmerksam, der auch
damit beauftragt wurde, das
Blutbad in der Wüste aufzuklären.
Als Llewelyn merkt
wer ihm da auf den Fersen
ist, schickt er Carla Jean zu
ihrer Mutter in Sicherheit.
Er selbst versucht mit dem
Geld zu flüchten. Doch neben
Chigurh wird er nun auch
noch von Carson Wells (Woody
Harrelson) verfolgt, der im
Auftrag einer Organisation
ebenfalls das Geld beschaffen
soll. Und als Chigurh herausfindet
in welchem Motel
Llewelyn untergetaucht ist,
scheint es für ihn keinen Ausweg
mehr zu geben.
Kritik: Sehen möchte man sie
eigentlich nicht, diese
zwei Augen, doch sobald
man sie erblickt kann
man sich ihrem Bann nicht
mehr entziehen. Sie starren
einen so unvermittelt an,
dass man fast ein unbehagliches
Gefühl bekommt, einzig
von diesem Blick. Das ist
insoweit erschreckend, gleichermaßen
aber auch höchst
passend, als dass die Augen
ja bekanntlich das Spiegelbild
der Seele bilden. Und Anton Chigurh hat mit Sicherheit
keine Seele. Diese Tatsache
ist dem Zuschauer anfangs
aber noch gar nicht so recht
klar, man sieht die Augen zu
Beginn noch nicht. Man bemerkt
nur eine Person, deren
Gesicht im Dunklen bleibt,
die aber sonst einen völlig
normalen Eindruck macht.
Doch sobald man dieses Paar
Augen zum ersten Mal zu Gesicht
bekommt, ist es auch
schon zu spät und schlagartig
wird man sich des Unheils
bewusst, das mit ihnen einher
geht. Man sieht sie nämlich
erst, als Chigurh gerade
dabei ist, einen Polizisten zu
erdrosseln und diese starren
und irren Augen Chigurhs
machen dabei klar, dass es
für den jungen Mann keinerlei
Hilfe mehr gibt und wohl
auch für sonst niemanden,
der seinen Weg kreuzt.
Eigentlich gehören diese Augen
ja Javier Bardem, der als
spanischer Schauspieler bereits
in einigen Hollywood-
Filmen mitwirkte, zuletzt
an der Seite von Natalie
Portman in Milos Formans
„Goyas Geister“. Doch was
Bardem in „No Country for
Old Men“, dem neuesten
Geniestreich der Gebrüder
Coen abliefert, ist schlicht
phänomenal. Er mimt einen
Mann, genauer gesagt einen
verrückten und psychopathischen
Killer, der verschlossene
Türen wie Menschen
gleichermaßen mittels Druckluft
aus einer Pressluftflasche
beseitigt und manchmal auch
einfach eine Münze über den
weiteren Verbleib seiner Opfer
entscheiden lässt. Sein
ganzes Auftreten strahlt dabei
eine so unglaubliche
Ruhe und Gelassenheit aus,
dass es beängstigend ist.
Und genau das ist der große
Verdienst von Javier Bardem,
der durch seine eindringliche
und herausragende Leistung,
einen solch bizarren Charakter
erst glaubhaft erscheinen
lässt. Und es wäre kein Film der Coens, wenn
nicht auch die anderen Charaktere mit
der selben Liebe zum verrückten Detail
ebenso überzeichnet und herrlich skurril
gestaltet worden wären. Auch wenn
„No Country for Old Men“ in erster Linie
auf dem gleichnamigen Roman von Cormac
McCarthy basiert, merkt man vor allem bei
der Charakterzeichnung deutlich die Handschrift
von Joel und Ethan Coen. Egal, ob das
nun der wortkarge und fast einsiedlerische
Llewelyn, dessen zutiefst besorgte und zugleich
höchst naive Frau Carla Jean, der alternde
und zynische Sheriff Ed Tom oder der
Vietnamveteran und Möchtegern-Cowboy
Carson ist, sie alle passen perfekt in dieses
leicht absurde Szenario und sie alle haben
zweierlei gemeinsam: sie werden allesamt
von hervorragend agierenden Schauspielern
verkörpert und haben einen unverwechselbaren
und wunderbar klischeehaften, texanischen
Akzent.
Dieser erschafft ein höchst authentisches
Südstaaten-Feeling und trägt so seinen Teil
zu der unglaublich stimmigen und äußerst
intensiven Atmosphäre bei. Und es ist diese
unfassbar dichte Atmosphäre, die einen
von der ersten Sekunde an, wenn Tommy Lee
Jones zu herrlich stillen und nahezu melancholischen
Landschaftsbildern aus dem Off
über seinen Beruf als Polizist philosophiert,
in diese Welt hineinzieht, dort festhält und
erst mit dem Abspann wieder so langsam in
die Realität entlässt. So stört es auch nicht
im geringsten, dass der Film über keinerlei
Soundtrack oder sonstige musikalische Untermalung
verfügt. Im Gegenteil, die Bilder
selbst sind so durchdringend, so packend,
schlicht so schlagkräftig, dass jegliche Art
von Musik eher wie ein Fremdkörper als ein
unterstützendes Element wirken würde.
Diese gespannte Stimmung wird zuweilen immer
wieder durch Coen-typischen, herrlich
schwarzen Humor gelöst. Dieser entspringt
vor allem den grandiosen Dialogen. Wie zuletzt
bei Tarantinos „Pulp Fiction“ zu sehen,
drehen sich diese eigentlich meist nur um Triviales,
sind aber so trocken, zynisch und voller
bissiger Kommentare, dass es eine wahre
Freude ist. Dennoch sind diese heiteren
Stellen wohl eher als Galgenhumor zu verstehen
mit denen ein wenig von der eigentlich
so gnadenlosen Geschichte abgelenkt wird.
Davon nämlich, dass dieser eine Zufall derart
viel Unheil für sämtliche Beteiligte mit sich
bringt und am Ende alles erbarmungslos in
den Abgrund zieht.
Sehen muss man es aber unbedingt, dieses
geniale Meisterwerk der Brüder Coen, und
sobald man es erblickt kann man sich vor
lauter Begeisterung seinem Bann gar nicht
mehr entziehen.