Filmtest August - Nobody's Perfect

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Inhalt:
Stefan Fricke, Sigrid Kwelle, Petra Uttenweiler, Mat Fraser, Sofia Plich, Theo Zavelberg, Kim Morton, Bianca Vogel, Fred Dove, Andreas Meyer, Doris Pakendorf und Niko von Glasow. Ein Astrophysiker, zwei Autoren, eine Dressurreiterin, ein Gärtner, ein Journalist, ein Regisseur, eine Sozialarbeiterin, ein Schauspieler, eine Tangolehrerin. Zwölf Menschen mit gängigen Namen, etwas weniger gängigen Berufen und einem überhaupt nicht gängigen Schicksal: weil sie im Mutterleib dem verheerenden Medikament Contergan ausgesetzt waren, sind ihre Gliedmaße missgebildet. In NoBody´s Perfect zeigt der Regisseur Niko von Glasow, was aus einigen der Contergan-Kinder geworden ist, zu denen er selbst zählt. Zum Anlass für diese Dokumentation nimmt er ein Fotoshooting, bei dem alle Modelle nackt vor der Kamera posieren sollen. Auf der Suche nach elf weiteren Freiwilligen, die dazu bereit sind, begegnet von Glasow ganz verschiedenen Persönlichkeiten und vermittelt einen Eindruck davon, wie sie ihr Leben mit der Behinderung führen. Angesprochen werden die spezifischen Probleme in der Kindheit, Jugend sowie im Erwachsenenalter. Von Glasow lässt den Skandal von damals wieder aufleben, indem er die verantwortliche Firma Grünenthal und deren Eignerfamilie Wirtz mit den Fotos konfrontiert. Selbst ein halbes Jahrhundert nach der Contergan-Katastrophe verschließen die Verantwortlichen die Augen vor den Bildern und der Wahrheit…

Kritik:
In dieser spannenden und bewegenden Dokumentation von der Entstehung einer Fotostrecke begegnen wir zwölf völlig unterschiedlichen, beeindruckenden Menschen, die ihr Leben trotz Behinderung erstaunlich gut meistern. Dabei stellt der Regisseur keinen Anspruch auf politische Korrektheit. Von Glasow nennt die Dinge beim Namen und stellt Fragen, die ein „Nicht-Conti“ so nicht fragen könnte. Niko von Glasow ist der Michel Moore der Contis und rückt der verantwortlichen Herstellerfirma mit den Aufnahmen auf die Pelle. Schwarzer Humor und erstaunliche Leichtigkeit dominieren auf der Leinwand, dennoch gibt es einige Momente, die mir das Gefühl geben, ich hätte einen Kloß im Hals. Wenn die Kamera nah an die Interviewten heranfährt, sehen wir, was wir sehen sollen: den Menschen. An einer Stelle im Film sagt Niko von Glasow, dass ein Ziel des Films sei, dass sich die Leute daran gewöhnen, dass es sie gibt und dass, sie wie die meisten, die eine bestimmte Zeit mit ihm verbringen, völlig vergessen, dass er zu kurze Arme hat. Und wenn wir am Ende des Films nur etwas von unserer Beklommenheit gegenüber diesen eben auch nicht ganz perfekten Menschen abgelegt haben, dann hat Niko von Glasow viel bewegt.

Punkte:

Autor: Dörthe Wackehut