Kolumne vom 19.10.2008
Liebe Leser,
der amerikanische Wahlkampf rückt immer näher und man wird von allen Seiten mit mehr oder weniger interessanten Neuigkeiten bombardiert. Eigentlich sei die Wahl ja schon entschieden, da McCain doch Joe The Plumber auf seine Seite ziehen konnte. Joe, der Klempner, wird andauernd sowohl von McCain als auch Obama aufgegriffen. Beide kämpfen so entschieden um ihn , dass man meinen könnte, er würde als Metapher, also als Beispiel für die gesamte „working class“ verwendet und existiere gar nicht wirklich. Doch weit gefehlt! Joe exists! Der Klempner war auf einer Wahlkampfveranstaltung der beiden Kandidaten in Ohio und hat seinen ausgeprägten Geschäftssinn unter Beweis gestellt. Schon seit langem träume er von einem eigenen Unternehmen und aus diesem Grund kritisierte er Barack Obama, da dessen Steuerpläne eine Unternehmensgründung unmöglich machen würden. Natürlich ergriff McCain seine Chance – schließlich muss er sich wirklich anstrengen, erst recht seitdem seine Frau im Plätzchenwettbewerb der Kandidatenehefrauen weit hinter Mrs Obama zurückgeblieben ist und somit der Missgunst der Plätzchen- essenden Amerikanerinnen ausgesetzt ist. McCain griff des Klempners Idee auf und benützte diese nicht nur gegen Obama, sondern erweiterte Joes Meinung auf die aller Klempner, Zimmermänner, Holzfäller, Elektriker, und sonstigen Arbeitern, die sich selbstständig machen wollen. McCain sah Obamas Wählerstimmen schon förmlich dahin schwinden! Seit diesem Zeitpunkt verkörperte Joe sich nicht mehr nur selbst, sondern gleich ein paar Millionen Amerikaner. Man kann es ihm wirklich nicht verübeln, dass er den Ruck ins öffentliche Licht der Aufmerksamkeit als Starthilfe für sein entstehendes Unternehmens nützt. Wen interessiert denn schon, ob er seine plötzliche Präsenz in den Medien nicht vielleicht anders nützen könnte – zum Beispiel einen Alternativplan vorschlagen? Jedenfalls war Joe the Plumber ein Glücksfall für McCain – Paradox ist nur, dass sich inzwischen sämtliche Politikwissenschaftler sehr genau mit des Klempners Dilemma auseinander gesetzt haben und letztendlich zum Schluss kamen: Joe the Plumber hat sich geirrt! Bei Obama bekämen Jungunternehmer einen großen Teil ihrer Steuern wieder zurückerstattet. Zum Glück gibt es ja noch das Wahlgeheimnis, dann kann Joe doch noch heimlich das Kreuz bei Obama setzen...
Viele Grüße
Carla Palleis
Autor: Carla Palleis