Kolumne vom 19.09.2008

Liebe Leser,

laut einer Weisheit aus Hollywood braucht man keine guten Drehbücher, um einen Kassenschlager im Kino zu garantieren, es reiche vollkommen die richtigen Hauptdarsteller zu ergattern, um mit ihnen anschließend die Kinogänger zu ködern. Ist Schauspielern denn so schwierig, dass die Stars dafür dermaßen viel Geld fordern müssen? Letztendlich geht es dann um deren ursprüngliche Leistung und um die Qualität der Drehbücher tatsächlich kaum mehr. Je bekannter der Schauspieler, desto mehr Aufträge werden ihm angeboten und desto selektiver und pingeliger kann er sich seine Jobs auswählen und zurechtlegen. Wer am meisten für die Mitarbeit an seiner Filmproduktion bietet, dem wird ein Celebrity sicher sein. Eigentlich sollte man ja denken, dass Stars bei der großen Auswahl an Drehbüchern (und da sie ja eh schon viel Geld haben) nur in interessanten und qualitativ ihrem Talent entsprechenden Filmen mitspielen würden. Aber bei den Filmen, die zum Teil in den Kinos laufen, kommt es einem doch so vor, als ob sich vor dem eigentlichen Dreh niemand das Drehbuch so genau durchgelesen hätte... Irgendwie scheint das Prinzip „Schauspieler über Drehbuch“ nicht so zu klappen. Das Us- Wirtschaftsmgazin „Forbes“ hat Anfang September eine Untersuchung der Gagen der reichsten Stars im Verhältnis zu den Einahmen ihrer Filme veröffentlicht. Jetzt haben wir alle schwarz auf weiß, was wir uns schon lange dachten: Selbst unseren Lieblingen auf der Leinwand können wir einfach nicht diese Millionen von Dollars gönnen. Mit fast jedem Star, von Nicole Kidman über Tom Cruise bis hin zu Nicolas Cage, wird abgerechnet - im wahrsten Sinn des Wortes. Ihre schauspielerische Leistung wird errechnet, in Zahlen analysiert,verglichen und abgestraft. Wie man eine solch präzise mathematische Gleichung aufstellen kann, ist leicht beantwortet: Wen interessieren denn schon die nicht errechenbaren Emotionen, ja, gerade zu Wechselbäder der Gefühle, die die Schauspieler in uns wecken, es lebe die kapitalistische Welt! Was sich nicht rechnet, wird zunichte gemacht und was nicht errechnet werden kann, wird einfach in der Statistik weggelassen. Und wenn der Kinofilm ein Flop war, dann rechnen sich die Stars mit ihren extravaganten Preishöhen einfach nicht und der Rotstift wird gezückt. Nach Veröffentlichung der Statistik murrt und knurrt es überall. Es heißt, dass es aus wäre mit den unverständlich hohen Gagen. In Vergessenheit schienen die Statistiken der letzten Jahre geraten zu sein – Deren Veröffentlichung hat bestimmt genauso viel Aufsehen erregt und doch war die diesjährige Untersuchung wieder nötig. Nur über Heath Ledger ist man in dieser Angelegenheit äußerst still und er wird weiterhin hochgejubelt als der „Joker“ in „The Dark Knight“. Ihm kann man auch schlecht Vorwürfe machen – Auch wenn wir vielleicht keine Millionen verdienen, müssen wir ihn nicht beneiden, schließlich sind wir wenigstens noch im Stande, uns über Filmgagen aufzuregen.

Viele Grüße
Carla Palleis



Autor: Carla Palleis