Kolumne vom 19.09.2007
Liebe Leser,
„Ich bin ein Berliner“ hat John F. Kennedy schon 1963 gesagt – ein paar Jahrzehnte später wollen sich einige Stars diesen Satz zu Herzen nehmen und Berliner Luft schnuppern. Das Phänomen Auf-nach- Deutschland findet man nicht nur bei erschöpften Hollywood-Stars wie Pitt und Jolie, sondern auch bei Schauspielern, die Berlin zwar nicht als dauerhaftes Zuhause sehen, sondern als perfekte Kulisse für amerikanische Filme. Tom Cruise hat ja wirklich für viel Aufsehen mit seinem Film „Valkyrie“ gesorgt. Für ihn war es ein Muss den Stauffenberg- Film so authentisch wie möglich zu drehen – zumindest was den Drehort betrifft - Berlin! Er hat aber nicht mit dem deutschen Verteidigungsminsterium gerechnet, das ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Da hilft es auch nicht, ein preisgekrönter Schauspieler zu sein: Die Bundeswehr will eine ernsthafte Darstellung Stauffenbergs, welche mit einem Scientologen in der Hauptrolle nicht möglich sei. Von Dreharbeiten auf militärischem Gelände in Deutschland ganz abgesehen! Obwohl Cruises Sprecher auf die strenge Trennung zwischen seiner Arbeit und Weltanschauung pochen, ist die Berlin-Cruise-Beziehung weiterhin angespannt. Doch die Werbung für den Film war zweifelsohne sehr ausgefallen. Schauspieler Jude Law wagt sich nicht nur an die Stadt heran, die laut ihm gerade ihre „goldene Zeit“ erlebt, sondern macht sie auch noch mit der deutschen Schauspielerkollegin Susan Hoecke unsicher. Verliebt in Berlin kann man es aber doch nicht nennen, da Jude Law sich weiterhin als Single bezeichnet. Vielleicht klappt es das nächste Mal mit einem amerikanischdeutschen Märchen. Jolie und Pitt dagegen lassen sich von der nicht nur positiven Publicity für Berlin nicht beeindrucken. Von den Paparazzi blass geknipst wollen sie ihre Kinder in die deutsche Hauptstadt bringen, um ihnen dort ein ruhigeres und angenehmeres Leben zu ermöglichen. Halt, da haben sie wohl vor ein paar Monaten die Schlagzeilen über Michael Jackson nicht gründlich genug gelesen. Damals war er in die Nähe von Hamburg gereist, um im Haus von Freunden ein paar Tage zu verbringen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie Fernsehberichte über kreischende Fans, resignierende Polizisten und vielen Reportern, die nach neuen Skandalen förmlich gehechelt haben, unser Land überschwemmten. Vielleicht war das geradezu eine Erholung im Vergleich zu Beverly Hills, aber paradiesisch kann man so etwas auch nicht nennen. Malen wir uns lieber nicht aus, wie sich die Deutschen erst über ZWEI Topschauspieler freuen! Doch natürlich ist der Umzug der Starfamilie noch gar nicht sicher - vielleicht schaut es morgen schon wieder anders aus und sie entscheiden sich für ein Leben in der schmelzenden Antarktis, um den Eisbären die letzte Ehre zu erweisen.
Viele Grüße
Carla Palleis
Autor: Carla Palleis