Kolumne vom 19.02.2008

Liebe Leser,

jetzt ist Jake Gyllenhaal der letzte schwule Cowboy auf dieser Welt. Zumindest hat sich die Anzahl an lebenden, schwulen Cowboys aus dem Film „Brockback Mountain“ halbiert. Als die Nachricht von Heath Ledgers Tod die Runde machte, hat man berechtigtes Erstaunen gehört, da er ja erst 28 Jahre alt war und in Medien nicht wirklich wegen Drogenkonsum aufgefallen war. Besonders der Satz “War das nicht der Schwule?” war inhaltlich sehr interessant. Durch eine Rolle in einem der vielen Filme, in denen Ledger mitgespielt hat, wird er gleich selbst als schwul abgestempelt und dabei wird komplett vergessen, dass es nur eine Figur war, die er verkörpert hat. Vielleicht liegt es an der Brillanz seines Könnens, dass manche Menschen ihn sich aus professioneller Rolle und privater Mensch zu einer Person vermischen? Ich denke, es ist die Tragik fast jeden Künstlers, dass Menschen sich nicht die Mühe machen zu differenzieren. Eigentlich sollte man ja froh sein, wenn sich jemand überhaupt an dich erinnern kann. Bei Heath Ledger ist es jedenfalls sicher, dass er als der schwule Cowboy in den Köpfen der Menschen bleibt. Die Zusammensetzung von „schwul“ und „Cowboy“ ist eine Antithese, die das Bild des typischen Cowboys ins Gegenteil zieht. Das Klischee eines harten Cowboys ist männliche Potenz, die sich hauptsächlich durch die Waffe auszeichnet mit der, der braun gebrannte Ami im Wilden Westen drohend herumfuchtelt. Vielleicht war der Film so einschlagend, weil die Amis bisher noch gar nicht in Erwägung gezogen hatten, dass es schwule Cowboys geben könnte. Da Frauen weniger das Gefühl haben, sich als Helden aufführen zu müssen getrieben von einem grenzenlosen Ego, wird der Film dementsprechend auch hauptsächlich von der weiblichen Bevölkerung angeschaut. Zum Glück müssen wir uns keine Sorgen um Ledgers letzten, unvollendeten Film “The Imaginarium of Doctor Parnassus” machen. Er starb zwar vor dem Ende der Dreharbeiten, aber praktischerweise verändert sich das Aussehen seiner Figur (nicht von ihm selbst!) während des Filmes so stark, dass gleich drei Topschauspieler für ihn einspringen können/wollen. Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell sind die sensationelle Rettung für den Film, der nur durch Ledgers Namen auf die Beine gestellt werden konnte. Vielleicht spielen Publicity und Engagement auch Hand in Hand und die Schauspieler können privat und profession selbst auch nicht sauber trennen. In welchem Sinne auch immer, sie zollen ihrem Kollegen einen ganz persönlichen Tribut.

Viele Grüße
Carla Palleis



Autor: Carla Palleis