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Modified: Dienstag, 27. Dezember 2005

Filmtest Oktober - Kiss Kiss Bang Bang

Harry Lockhart (ROBERT DOWNEY JR.) ist im Grunde ein anständiger Typ. Gut, er ist ein Kleinganove, der mit einem Cocktail aus zerzaustem Charme und schlitzohrigem Optimismus durchs Leben schliddert, aber im Grunde will er sauber bleiben. Er weiß nur nicht recht, wie. Doch eines Tages hat Harrys ewige Pechsträhne ein Ende. Gerade macht er mit seinem Partner nach Ladenschluss Weihnachts-„Einkäufe“ in einem New Yorker Spielwarengeschäft, als die beiden von der Alarmanlage unterbrochen werden. (Stimmt, das sieht böse aus, aber lesen Sie weiter). Auf seiner hektischen Flucht vor den Cops stolpert Harry zufällig in den Casting-Termin für einen Hollywood-Krimi, und ehe er sich’s versieht, sitzt er schon im Flugzeug nach Los Angeles, um Probeaufnahmen zu machen. Dort landet Harry im Haifischteich der Huren, Gauner, Loser und ewigen Träumer. Als Vorbereitung auf die Testaufnahmen soll er beim ruppigen Privatschnüffler Perry van Shrike (VAL KILMER), dem „schwulen Perry“, in die Lehre gehen. Der schwule Perry ist skrupellos, gnadenlos tough und – Sie haben’s schon erraten – schwul. Er bringt wenig Geduld für Harry auf, der sein Schauspieltalent ausprobiert, indem er sich als Detective ausgibt. Man muss es also als schicksalhafte Fügung bezeichnen, als der Dieb-der-ein-Schauspieler-werden-will-und-sich-als-Detective-ausgibt Harmony Faith Lane (MICHELLE MONAGHAN) über den Weg läuft – sie will Schauspielerin werden und braucht seine Hilfe. Harmonys großes Vorbild ist der hartgesottene Privatschnüffler Jonny Gossamer, fiktiver Held einer Groschenromanserie – seinetwegen ist sie nach Hollywood gekommen, um ihren Traum zu verwirklichen… Doch inzwischen sind ein paar Jahre vergangen, sie ist immer wieder abgelehnt worden und muss sich endlich der unangenehmen Wahrheit stellen, dass sie hier keine Zukunft mehr hat. Als Harmonys Schwester unter seltsamen Umständen Selbstmord begeht, ergeben sich Verbindungen zu einem scheinbar völlig anderen Fall, in dem Harry und der schwule Perry ermitteln, und plötzlich haben sie es mit einem echten Mordfall zu tun. Leichen wollen nicht verschwinden und tauchen unerwartet wieder auf… lange verdrängte Familiengeheimnisse eskalieren in chaotischen Konsequenzen… und Harrys Freikarte nach L.A. befördert ihn schier unausweichlich auf eine Einbahnstraße ins Leichenschauhaus. Falls Harry am Leben bleiben und sich als jener Held beweisen will, von dem Harmony träumt, ist er bei der Lösung des Falls auf die Hilfe des schwulen Perry angewiesen. Er muss Jonny Gossamers beinharte Großspurigkeit vortäuschen. Und eine kleine Prise Glück – oder besser Schicksal? – wäre auch nicht verkehrt.



Bewertung (von Fabian):

Wer kennt sie nicht, coole Actionfilme wie „Leathal Weapon 1 & 2“ oder „Last Boy Scout“. Diese Filme stammen aus der Feder von Shane Black, der mit „Kiss Kiss Bang Bang“ sein furioses Regiedebut feiert. Diese flotte und spannende Komödie schafft es, den Zuschauer durch immer wieder neue Wendungen in der Geschichte zu fesseln, ständig erfährt man von einem neuen Komplott oder einer neuen Intrige. Doch der Film besticht vor allem durch seinen wunderbar zynischen und zugleich subtilen Humor. Schon allein wie Harry die Geschichte erzählt und kommentiert, leicht melancholisch aber immer mit trockenem Humor, ist köstlich. Auch die Dialoge zwischen Harry und dem „schwulen Perry“ sind so bissig und höhnisch, dass es einfach eine Freude ist diesen zu lauschen. Beide Schauspieler sowohl Robert Downey Jr., als auch Val Kilmer leisten ganze Arbeit, da sie ihre Figuren perfekt verkörpern. Auch die Situationskomik ist an manchen Stellen voll von schwarzem Humor, wenn etwa ein abgetrennter Finger einem Hund als Spielball dient. Eine fantastische Komödie und hoffentlich nicht der letzte Film von Shane Black.

Punkte (von Fabian):