Interview mit Paula Kalenberg und Franz Dinda    
 
Das Gespräch wurde geführt von: Daniel Fürg und Fabian Ohrner
   
Thema: Paula Kalenberg und Franz Dinda sprechen über Atomkraft und ihre Rollen in "Die Wolke"
 

Wie seid ihr zu Euren Rollen in „Die Wolke“ gekommen?

(Franz) Ich habe ein Video für Rosenstolz gedreht und als Dank wurde ich zum Konzert eingeladen. Auf diesem Konzert habe ich zwei junge Typen kennen gelernt, einer davon war Marco Kreuzpaintner. Ich hab ihm erst einmal auf die Schulter geklopft und ihn gefragt ob er auch Schauspieler ist. Er hat mir dann erklärt, dass er Regisseur sei und zuletzt bei „Sommersturm“ Regie geführt hat. Das konnte ich ihm zuerst nicht glauben, da ich ihn für zu jung hielt. Später hat sich dann herausgestellt, dass er die Wahrheit gesagt hat. Er hat mir dann später ein Buch in die Hand gedrückt und mich aufgefordert das zu lesen. Es war die erste Drehbuchfassung von „Die Wolke“ und ich fand es von Anfang an total gut. Später wurde ich dann zum Casting eingeladen und es hat ja letztendlich auch geklappt. Heureka!

(Paula) Meine Geschichte ist wesentlich unspektakulärer. Ich bin in einer Agentur und ich bekomme dort Rollenangebote und werde zu Casting eingeladen. Und weil sie keine andere gefunden haben, wurde ich genommen.

Habt Ihr das Buch davor schon gekannt?

(Franz) Ich habe es vor zehn Jahren in der Schule gelesen, das war damals Pflichtprogramm. Ich war schockiert von dieser dramatischen Geschichte mit den vielen Schicksalsschlägen, die Hannah erleiden muss. Damals hätte ich aber nie gedacht, dass ich einmal in der Verfilmung mitspielen würde, von daher bin ich jetzt überglücklich.

(Paula) Bei mir war es keine Pflichtlektüre in der Schule, das war damals bei mir ein Themengebiet das nie eine Rolle gespielt hat. Ich habe mich dann das erste Mal durch den Film damit beschäftigt und ich finde es eigentlich erschreckend, dass die meisten Leute, gerade in unserem Alter, gar nichts mit diesem Thema zu tun haben und auch gar nichts darüber wissen. Tschernobyl ist immer noch aktuell aber auch in Deutschland gibt es noch viele aktive Atomkraftwerke und davon ist ja jeder betroffen.

(Franz) Es ist doppelt dumm gelaufen, da wir erstens nicht bewusst mit dem Thema aufgewachsen sind und zweitens die Gefahr nicht sehen können, da fällt es nicht besonders schwer, dieses Thema zu verdrängen.

Wie habt Ihr Euch auf eure Rollen vorbereitet?


(Paula) Ich denke letztendlich stellen wir alle ja Menschen dar und keine Superhelden, es geht nicht darum, dass man sich eine Figur ausdenkt sondern vielmehr darum den Menschen zu begreifen und eben auch darzustellen. Es war auch sehr schön an der Arbeit, dass in diesem Film eigentlich immer der Mensch im Vordergrund steht. Wie geht der Mensch mit einer solchen Katastrophe um? Was ist in diesem Moment eine Gemeinschaft wert? Was ist zwischenmenschliche Liebe wert? Solche, sehr menschliche Fragen stellen sich da.

 
 

Wie würdet ihr Eure Rollen beschreiben?

(Franz) Elmar ist ein Außenseiter, der mehr oder weniger ohne Liebe aufgewachsen ist und aus einem gespaltenen Elternhaus kommt. Das ist ein sehr großes Defizit in seinem Leben und diese, ihm fehlende erfüllte Liebe findet er dann bei Hannah. Und gerade als sie sich finden, kommt es zu diesem Supergau-Alarm. Er befindet sich also gerade, als er angekommen ist, schon wieder vor dem Abgrund. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb bewahrt er sich den starken Willen, Hannah zu finden, obwohl sie ja überall in Deutschland sein könnte. Angetrieben von diesem Glück, das er ganz kurz hatte, findet er sie dann tatsächlich. Interessant ist, dass er sich im Verlauf der Geschichte vom Anker, der er immer für Hannah ist, auch selber zum Gestrauchelten verwandelt, als er erfährt, dass auch er kontaminiert ist. Als er dann selbst aufgeben möchte, wird er wiederum durch Hannahs Liebe gestützt.

(Paula) Liebe ist scheinbar letztendlich auch die einzige Kraft die einen noch am Leben halten kann.

Welche Meinung habt Ihr zum Thema Atomkraft?


(Franz) Es macht mich wild und rasend wenn ich höre, dass die ganzen CDU-Statisten auf einmal aus ihren Löchern gekrochen kommen und plötzlich für Laufzeitverlängerung plädieren. Wenn ein Oettinger, ein Koch, ein Glos oder auch ein Edmund Stoiber das ernst meinen, sollten sie schnellstmöglich umschulen. Fakt ist, dass die weltweiten Uran-Ressourcen in den nächsten 20 bis 70 Jahren erschöpft sein werden. Damit fehlen sämtlichen AKWs das „Benzin“.

(Paula) Genauso wie bei Erdgas und Erdöl heute können wir wahrscheinlich schon in 20 Jahren damit rechnen, dass es zu Konflikten bis hin zu Kriegen kommen könnte. Letztendlich werden wir abhängig von sehr wenigen Ländern die Uran abbauen bzw. von den Firmen, die diese endlichen Ressourcen für sich in Anspruch nehmen.

(Franz) Und wir werden somit auch erpressbar. Das nächste Argument ist, dass die Gefahr nach wie vor akut ist. 16% GAUWahrscheinlichkeit in den nächsten 40 Jahren in Europa, 40% weltweit gesehen - das ist doch unglaublich. Da merkt man dann auch wie brennend das Thema ist, wie sehr wir auch alle davon betroffen sind und wie wichtig es ist, gerade jetzt neue Weichen für die Zukunft zu stellen, indem wir eine neue Infrastruktur für regenerative Energien schaffen. Jeder Konsument kann auch jetzt schon etwas tun indem er zum Beispiel den Strom wechselt und zu Greenpeace Energy geht. Wenn das viele machen, geraten diese mächtigen Leute alle unter Druck und werden sicherlich auch reagieren. Wir können auch Druck auf die Politik auswirken indem wir die richtige Partei wählen. Strom Effizienz ist gleich der nächste Punkt. Man darf eben nicht das Wasser ewig laufen lassen oder man muss auch mal daran denken, das Licht auszumachen, wenn es nicht gebraucht wird. Da sind wir alle nicht machtlos, und das muss jeder erkennen.

Das Buch von Gudrun Pausewang ist ja eher ein Jugendbuch - welche Altersgruppe sollte sich denn den Film ansehen?

(Paula) Ich denke, dass es ein Film ist der ganz Deutschland interessieren sollte und auch betrifft. Wie Franz ja gerade schon gesagt hat ist das ein Bereich in dem wir alle etwas tun können. Das ist nicht nur eine Möglichkeit sondern eine Pflicht die wir gegenüber den kommenden Generationen haben. Man wundert sich, dass wir uns mit unseren 22 bzw. 19 Jahren innerhalb weniger Wochen eine Meinung zu diesem Thema gebildet haben und es absolut absurd finden an der Atomenergie weiterhin festzuhalten. Wir wundern uns einfach darüber. Im Gegensatz zur Ukraine ist Deutschland ein sehr dicht besiedeltes Land. Da müssen doch gerade diese Entscheidungsträger erkennen, dass auch sie, samt ihrer eigenen Familien betroffen wären. Wenn man sich die Karte mit den heute noch aktiven Atomkraftwerken ansieht, sieht man, dass sich diese direkt in unserer Nachbarschaft befinden. In dem Moment sollte eigentlich jeder wach werden.

Wie würdet Ihr jemandem den Film beschreiben der noch nie etwas davon gehört hat?

(Franz) Es ist eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer Katastrophe.

Wie glaubt Ihr würdet Ihr in einem solchen Ernstfall reagieren?

(Franz) Wir gehen eigentlich relativ sicher davon aus, dass es im Ernstfall zu Anarchie artigen Zuständen kommen würde, dass also jeder versuchen würde seinen eigenen Arsch zu retten und, dass von Freundschaft relativ wenig übrig bleiben würde. Das ist das Erschütternde daran.

(Paula) Das sehe ich etwas anders. Ich glaube nicht, dass man so rigoros sagen kann, dass von Freundschaft nichts übrig bleiben würde. Ich denke, dass Ideale wie Freundschaft und Gemeinschaft ganz plötzlich eine sehr viel größere Rolle spielen würden.

(Franz) Ich wünschte auch, dass es so wäre aber ich glaube es nicht. Ich glaube, dass es erst in der zweiten Stufe dazu kommen würde. Wenn man zum Beispiel den rettenden Zug nicht mehr bekommen hat und dann versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Wir möchten einfach erreichen, dass es gar nicht dazu kommt. Der Film soll das Thema wieder ein bisschen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit lenken.

(Paula) Wir möchten mit diesem Film nicht einfach Angst machen und für einen Moment schockieren. Es soll ein Denkanstoss sein. Wir wollen von niemandem Antworten haben, es wäre schön wenn sich einfach wieder jemand Fragen stellen würde und sich die Leute mit dem Thema beschäftigen würden.

(Franz) Die Leute sollen erkennen, dass sie selbst etwas tun können.

Paula, war es schwierig für Dich, dass Du Dir für die Rolle die Haare abschneiden musstest?


(Paula) Es ist schon irgendwie etwas besonderes sich die Haare ganz abzurasieren. Es war ja auch kalt weil im Winter Drehschluss war. Tatsache ist aber, dass ich damit keine Krankheit verbunden habe wenn ich im Spiegel geschaut habe. Es ist etwas ganz anderes wenn man seine Haare durch eine Krankheit verliert denke ich.

Wie seid Ihr überhaupt zur Schauspielerei gekommen?

(Paula) Ich habe mich mit 14 über einen Radioaufruf beworben und hatte wenige Wochen später dann mein erstes Rollenangebot. Also keine Eltern im Hintergrund, die über ihr Kind ihr Ego aufpolieren wollten...

(Franz) Da schließe ich mich an. Bei mir war es nur so, dass ich in einem Dorf groß geworden bin und dort die Chance, bekannt zu werden sehr klein war. Aus diesem Grund habe ich mir aus dem Telefonbuch alles, was mit Castings in Stuttgart zu tun hatte, rausgesucht und habe dann dort überall angerufen. So bin ich dann in Karteien gekommen und wurde zu Castings eingeladen. Das war letztendlich der Startschuss.

Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen dem Buch und dem Film? Also wenn man die Geschichte betrachtet...

(Franz) Also ich bin z.B. einer der Unterschiede, da meine Rolle im Buch ja nicht so wirklich präsent ist. Gott sei Dank wurde das geändert sonst hätte ich nicht sehr viel zu tun gehabt.

Wurde am Set auch oft über das Thema diskutiert?

(Paula) Ja es ist immer wieder darüber gesprochen worden. Man stellt sich aber viel mehr menschliche Fragen. Wie gehen die Menschen mit der Katastrophe um? Wie gehen sie miteinander um? Wovon werden sie getrieben? Darüber haben wir noch viel mehr gesprochen.

Wie war die Arbeit am Set im Allgemeinen?

(Franz) Die Arbeit war sehr intensiv. Wenn man so einen Film dreht, muss man sich in die Rollen hineinversetzen und von daher ist es nicht so, dass man die Kamera ausmacht und wieder glücklich ist. Das nimmt einen emotional sehr mit. Bei aller Liebe für Dreharbeiten, waren wir dann dementsprechend auch froh als der letzte Drehtag im Kasten war.

(Paula) Aber es erfüllt einen auch sehr wenn man das Gefühl hat gefordert zu sein.

(Franz) Eins möchte ich unbedingt noch sagen: die Zusammenarbeit mit Regisseur Gregor Schnitzler war großartig, da er ein sehr emotional feinfühliger Mensch ist der andere Menschen versteht und es auch versteht, ihnen etwas mitzuteilen. Er war das Fundament für diesen Film. Wir haben nur darauf aufgebaut.

Vielen Dank für das Interview!


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