Interview mit Daniel Brühl    
 
Das Gespräch wurde geführt von:
   
Thema: Daniel Brühl spricht über seine Rolle in "Krabat"
   
 

Wie ist der Kontakt zum Film entstanden? Warst Du überrascht, als man Dich angesprochen hat?

Ich habe mich total gefreut. Ich glaube das ist das erste Mal, dass mir ein Projekt gleich zugesagt hat, ohne, dass ich vorher das Drehbuch gelesen habe. Bei Krabat mitzuspielen ist wie ein Kindheitstraum, der plötzlich in Erfüllung geht. Vor 15 Jahren sind mir die Gesichter dieser Geschichte alle im Kopf herum gespuckt und nun durfte ich selber einen der Müllerburschen spielen, das ist schon toll. Dann rief mich eben Marco an - mit ihm wollte ich ohnehin schon lange mal zusammen arbeiten – und hat mir das Drehbuch geschickt. Ich war auch begeistert mit Robert zusammen arbeiten zu dürfen, da wir uns schon lange kennen und einfach sehr mögen. Und, dass ich gerade Tonda spielen durfte, war deswegen so spannend, da er schon damals eine meiner Lieblingsfiguren im Film war.

Wie würdest Du den Charakter von Tonda beschreiben? Konntest Du Dich leicht mit ihm identifizieren, gerade weil er ja Deine Lieblingsfigur war?

Ja, ich mag ihn sehr. Er ist auch ein sympathischer Kerl und eine interessante Figur, weil er auf der einen Seite dem Meister sehr nahe steht, auf der anderen Seite aber das Geheimnis mit sich herumträgt, dass er sich in ein Mädchen verliebt hat und den Drang verspürt Freiheit zu erlangen und seine Liebe auszuleben. Damit scheitert er ja auch. Eben das macht ihn zu einem tragischen Helden. Er ist aber auch der, der in Krabat den Impuls auslöst das zu vollenden, wofür er immer gekämpft hat.

Kommt der Film an Deine Vorstellungen heran? Sieht alles so aus, wie Du es Dir beim ersten Lesen des Buches vorgestellt hast?

Na ja, das wäre erschreckend, wenn alles deckungsgleich wäre. Das wäre ja Zauberei, wenn das so aussehen würde, wie ich mir das damals alles vorgestellt habe. Als Dreizehnjähriger war ich auch nicht so eitel mir vorzustellen, dass ich irgendwann der Tonda bin (lacht). Von der Tendenz her ist es schon so, dass der Film eine solche sogartige Spannung erzeugt hat, wie ich es mir auch vorgestellt habe. Außerdem muss ich sagen, dass ich mich durch den Dreh dieses Film gar nicht mehr so richtig an meine Fantasie erinnern kann. Für mich wird Krabat jetzt immer aussehen wie David Kross und Lyschko wie Robert und so weiter. Beim Erstellen hat die Ausstattungsabteilung auch wirklich gute Arbeit geleistet. Alles war sehr authentisch und echt. Durch das viele Holz hatte man nicht den Eindruck, dass alles ein Fake aus Pappmaché ist, sondern es wirkte einfach sehr echt.

Was war das Schwierigste an der Umsetzung?

Man muss sich erstmal daran gewöhnen, diesem Genre gerecht zu werden. Das ist ja nichts, was man alle Tage spielt und solche Filme gibt es aus Deutschland eigentlich kaum. Da die Sätze manchmal sehr stilisiert sind, hat es immer eine gewisse Künstlichkeit, wenn man die Rolle spricht. Dafür muss man eben die Figur total ernst nehmen, denn sonst wäre das ganze nicht glaubhaft. Bei den Proben in unseren Alltagsklamotten wirkte das immer sehr albern, aber sobald man diese komischen Haare auf dem Kopf und die seltsamen Zähne im Mund hat, konnte man das besser nachvollziehen.

War die physische Vorbereitung anstrengend? Immerhin gab es ja auch einige Szenen, die etwas mehr Action verlangt haben.

(lacht) Also das war jetzt nicht so schlimm. Ich musste nicht drei Monate mit einem Shaolin- Mönch oder so trainieren. Es waren zwar Stunt-Choreographen da, aber das ist alles nicht weiter schwierig gewesen. Anstrengend waren die Dreharbeiten jedoch schon, weil das Wetter eben sehr unberechenbar war. Wir hatten von Kälte bis Hitze wirklich alles. Einmal ist sogar das komplette Motiv fast im Schlamm abgesoffen. Die Drehzeiten war auch immer sehr lange; zum Teil war das wirklich sehr mühselig. Aber im Dreißigjährigen Krieg ging es den Leuten um einiges schlechter, deswegen war es schon okay, dass wir ein bisschen gelitten haben. Das sollte ja kein Urlaub sein.

Konntest Du mit dem Genre des Films, dieser Mischung zwischen Mystik und Märchen, etwas anfangen?

Vor allem mit dem Buch, ja. „Krabat“ war bei mir früher Schulstoff. Ich habe das Buch mit 13 Jahren gelesen und das war so eines der Bücher, das man wirklich gerne gelesen hat. In dem Aufsatz darüber hatte ich sogar eine 1, das weiß ich noch (lacht).

Wie war die Unterbringung am Drehort bzw. wo war der Drehort?

Wir waren in Transsylvanien (Hermannstadt) und da dort früher auch einmal die Sachsen waren, sprechen die Menschen dort teilweise Deutsch; es gibt sogar ein deutsches Viertel. Es ist zwar ein schönes Städtchen, aber die Mentalität dort ist eine ganz andere. Ich fand den Charme der Leute dort eher rau (lacht). Es war aber trotzdem eine schöne Zeit, da das ganze so eine Schullandheim-Atmosphäre hatte – zwölf Jungs und zwei Mädels, das ist dann ganz schön lustig. Das Hotel hatte aber garantiert schon mal bessere Zeiten, aber ich steh auf so was. Der Drehort war eine Stunde weg und die Landschaft dort war schon sehr ursprünglich. Wenn man überlegt, dass das eigentlich mitten in Europa ist, war es schon verwunderlich. Da sind die Männer sogar noch auf Pferden unterwegs gewesen.

Gab es am Set auch Rückzugsmöglichkeiten?


Ja, die kann man sich ja dann immer selber suchen. Es gab Rückzugsmöglichkeiten, aber häufig wollte man dann auch einfach mit den anderen die Zeit verbringen. Man konnte die private Zeit gut nutzen, um auch im Film glaubhaft zu machen, dass wir uns alle gut kennen. Wenn es einem dann zu bunt wurde, haben wir uns einfach zurückgezogen.

Wie war die Arbeitsweise des Regisseurs? Gab es Spannungen, weil er zum Beispiel besonders anspruchsvoll war?

Für Marco Kreupaintner war das ja ein wirklicher Mega-Ritt, weil es bei uns ja eigentlich schon unüblich ist, dieses Genre zu bedienen. Die ganzen Herausforderungen im technischen Bereich und alles andere hat er wirklich gut durchgestanden. Das ist ja auch für Schauspieler immer sehr undankbar, wenn man auf Spezialeffekte warten muss oder sich die Kulisse vorstellen muss. Ich habe da sowieso Hochachtung, weil so ein Ensemble-Stück schon relativ schwer ist, überhaupt, wenn man zwölf Jungs im Zaum halten muss.

Wem würdest Du unbedingt empfehlen den Film zu sehen?


Also unter zwölf Jahren sollten die Zuschauer nicht sein, da der Film an manchen Stellen schon gruselig und ziemlich freaky ist. Ansonsten würde ich es wie bei den Ravensburger Spielen handhaben: von 12 bis 99 ist der Film empfehlenswert (lacht).

Wie würdest Du jemanden verbessern, der den Film mit „Harry Potter“ vergleicht?

Auch wenn es um Magie geht und um Jungs die herumzaubern, kann man das nicht vergleichen. Das ist eine völlig andere Geschichte.

Planst Du schon ein neues Filmprojekt?

Ja, das wurde vor drei Tagen abgedreht. Eine Romanverfilmung von Martin Suter: Lila, lila. Das habe ich auch schon mal als Hörbuch gelesen. Da habe ich mit Henry Hübchen und Hannah Herzsprung zusammen gedreht und das ist ein wirklich klasse Film geworden. Jetzt mach ich erstmal Pause und Urlaub bei meinen Eltern in Spanien und im Herbst mach ich vielleicht einen Film mit einer amerikanischen Regisseurin in Los Angeles.

Vielen Dank für das Interview!

 
 
 


Startseite
Filme
Interviews
Reportagen
Bücher
Gewinnspiele
Links
Kontakt
 


   
   
Impressum
www.ks-media.com
www.munichs-best.com www.cinema-guide.info www.pocket-kino.de