Filmtest April - Inland Empire

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Inhalt:
Nikki Grace (Laura Dern) ist eine vermögende Schauspielerin und hofft auf die Rolle in dem neuen Film von Kingsley Stewart (Jeremy Irons). Doch unverhofft wird sie von einer unbekannten Frau aufgesucht, die sie vor der Rolle warnt und allerlei wirres Zeug redet. Nikki schenkt ihr nicht weiter Beachtung und bekommt schließlich den heiß ersehnten Part. Zusammen mit ihrem Filmpartner Devon Berk (Justin Theroux) dreht sie ein paar erste Szenen, als eine unbekannte Person am Set herumschleicht und flüchtet. Daraufhin erzählt Stewart den Darstellern die Wahrheit: das Drehbuch des Films ist kein Original sondern ein Remake eines ausländischen Films, der wegen mysteriöser Umstände nie beendet wurde. Unterdessen warnt Nikkis Ehemann Devon die Finger von seiner Frau zu lassen, was dieser aber ignoriert. Der Dreh wird fortgesetzt und Nikki verschmilzt immer mehr mit ihrer Filmrolle. Doch auf einmal weiß sie gar nicht mehr was eigentlich Realität und was Fiktion ist.

Kritik:
Ein Name. Dieser eine Name kann etwas, was nur wenige andere schaffen. Allein durch sein pures Erscheinen vermag es dieser Name eine Vielzahl von Zuschauern anzulocken. Von ihm geht eine ungeheure Anziehungskraft aus, sodass nahezu keinerlei zusätzliche Promotion mehr von Nöten ist. Denn er steht für etwas Seltenes in Hollywood, er steht für Ungewohntes, Mystisches und Unerklärliches. Und vor allem pflegt der Mann hinter dem Namen seinen ganz eigenen, oft als unorthodox betrachteten Stil. Die Rede ist natürlich von David Lynch, der den Zuschauer mit Hilfe seines neuesten Werkes wieder einmal in sein völlig eigenes Universum eintauchen lässt. Da passt es ganz gut, dass der Titel „Inland Empire“ lautet, den exakt so kommt einem das Ganze vor, wie ein kleines, in sich geschlossenes Reich, mit vielen kleinen Welten, in das man nur schwer Zugang findet. In der Tat wird es auch dem Zuschauer schwer fallen Zugang zu dem Film zu finden oder ihm zu folgen. Denn einen roten Faden gibt es hier nicht und oft sitzt man einfach nur da und fragt sich, was hier überhaupt passiert und was das Ganze miteinander zu tun hat. Doch genau davon geht auch die unglaubliche Faszination aus. Diese komplett surrealen, teils absurden Bilder, die auf den Zuschauer einströmen, sind derart faszinierend und oft auch in höchstem Maße verstörend, dass man gar nicht anders kann als in deren Bann gezogen zu werden. Dass nach Aussage des Regisseurs Angst hierbei der Grundtenor ist, merkt man auch. Immer wieder tauchen entsetzliche Bilder auf und auch die bedrohliche Atmosphäre, die stets spürbar ist, fesselt ungemein. Auch der gesamte Look trägt einen großen Teil zur Einzigartigkeit beziehungsweise Eigenartigkeit des Films bei. Da Lynch mit einer einfachen Digitalkamera drehte wirkt alles noch einen Tick unrealistischer, so gar nicht wie ein typischer Hollywoodstreifen und erlaubt es dem Zuschauer aber besser in diese absurde Welt einzutauchen. Dazu trägt natürlich auch der grandiose Soundtrack, mit seinen teils einfühlsamen und teils aufschreckenden Musikstücken bei. Aber auch die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend, vor allem von Jeremy Irons und Lynchs vermeintlicher Lieblingsschauspielerin Laura Dern. Diese wirkt hier bereits zum dritten Mal in einem seiner Filme mit und sie ist es auch, die die Geschichte trägt und ihr eine ganz besondere Note verleiht. Dennoch werden viele Leute nichts mit einem drei Stunden langem Independet-Film, der noch dazu äußerst schwer zu verstehen ist, anzufangen wissen. Doch das „Lynch-Universum“ hat sich ja bekanntlich schon immer wenig aus den allgemeinen Gesetzen Hollywoods gemacht und so ist auch dieses Werk wieder ein ganz besonderes und unbeschreibliches Erlebnis.

Punkte:

Autor: Fabian Ohrner