Inhalt: Eliane Richter (Corinna Harfouch) bittet den Künstler Max Hollander (Josef Bierbichler) ein Porträt ihrer beiden Kinder Lilli (Karoline Herfurth) und Alexander (Cyril Sjöström) anzufertigen. Ein schwieriges Unterfangen für den Künstler, denn Alexander ist vor einem Jahr verstorben und Lilli weigert sich vehement gegen den Wunsch der Mutter, Alexander als Dekoration an die Wand zu hängen. Zunächst ist Lillli Max gegenüber abweisend und distanziert, doch Max durchschaut ihre tiefe emotionale Trauer und erkennt, auf welch unsicheren Beinen sich Lilli befindet. Doch langsam und zaghaft gewinnt sie Vertrauen zum alternden Künstler und beginnt die Trauer über den Tod ihres Bruders nach und nach zu verarbeiten…
Kritik: Sieben Jahre nach dem oscarprämierten Film „Nirgendwo in Afrika“ kommt das neue Werk „Im Winter ein Jahr“ von Caroline Link in die Kinos. Lange wurde auf einen neuen Film von ihr gewartet und auch in ihrem vierten Film – eine Adaption des Romans von Scott Camphell- dreht sich alles um das Thema Familie. Mutter Eliane möchte nicht realisieren, dass ihr Sohn sich das Leben genommen hat und behauptet stattdessen, dass es ein tragischer Jagdunfall war. Die Beziehung zu Mann Thomas (Hanns Zischler) ist erkaltet und der Tod des Sohnes und die Schuldfrage stehen zwischen beiden. Er stürzt sich in seine wissenschaftliche Arbeit und beginnt eine Affäre mit einer anderen Frau. Tochter Lilli erhält keine Unterstützung durch die Eltern, kümmert sich nicht um ihr Studium an der Münchner Theaterakademie und verliert die Hauptrolle in einem Musical. Ihre tiefe Trauer versucht sie zu überspielen, indem sie sich an ihre Liebhaber klammert. Eine Geschichte über eine Familie, die nach dem Selbstmord des Sohnes zu zerbrechen scheint. Caroline Link legt in diesem Film hohen Wert auf eine ruhige Entfaltung ihrer Protagonisten. Es geht um die emotionale Interaktion der Hauptdarsteller und die zarte Herausarbeitung eines Psychogramms einer Familie. Behutsam bringt sie uns die Darsteller und ihre emotionalen Abgründe näher. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Freundschaft zwischen Lilli und Max, die von perfekt aufgelegten Schauspielern inszeniert wird. Auch Max ist einsam und kann die Vergangenheit nicht überwinden. Nachdem er seine Frau betrogen hat, hat diese sich mit seinem Sohn von ihm abgewendet und ruft ihn nur noch bei Geldnöten an. Er scheint keinen Kontakt zu seinem Sohn zu haben. Lilli sucht nach dem Grund von Alexanders Selbstmord und lässt sich dadurch immer mehr in ihren emotionalen Abgrund ziehen. Beide tasten sich aneinander heran. Es kommt zu tiefgründigen Gesprächen über die Familie, die Schuldfrage und auch Max Vergangenheit bleibt nicht verborgen. Beide helfen sich an verschiedenen Punkten ihres Lebens und schaffen durch ihre Freundschaft eine neue Basis für ihre Lebenssituation. Lilli kann den Gedanken an die Schuldfrage hinter sich lassen und Max sucht den Kontakt zu seinem Sohn. Eine lebensechte und emotional tief ergreifende Freundschaft, die durch das harmonische Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller perfekt getragen wird. Im Vergleich zur Romanvorlage lässt Caroline Link die Figur des Max deutlich altern und baut auch eine leicht unterschwellige erotische Grundstimmung in die Konstellation der beiden ein. Caroline Herfurth überzeugt durch ihre authentische und ausdrucksstarke Darstellung der Lilli. Es kristallisiert sich eine emotionale Innensicht der Charaktere heraus, untermauert durch schöne Musik- und Tanzeinlagen. So ungewöhnlich die Freundschaft am Anfang wirkt, desto intensiver nimmt man sie im Laufe des Filmes wahr. Nach einer perfekt inszenierten Tanzeinlage von Karoline Herfurth, untermalt durch das Stück „Signal to Noise“ von Peter Gabriel, die durch Emotionalität und Dramatik überzeugt, verliert sich der Film in einem enttäuschenden Ende, das durch langweilige Bilder nicht überzeugen kann. Aufgrund einiger Schwächen ist „Im Winter ein Jahr“ vielleicht nicht Links bester Film, aber dennoch ein sehenswertes Familien-Drama, das durch die perfekte Darstellung der Protagonisten an Qualität gewinnt.