Inhalt: Er ist immer auf der Flucht, wird auf Schritt und Tritt von Polizisten bewacht und geht selten vor die Tür. Die Rede ist nicht etwa von einem Verbrecher sondern von einem Mann, der sie herausgefordert hat: Roberto Saviano.
Mit seinem Roman „Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra“ enthüllte er 2006 pikante Details aus der Welt der neapolitanischen Mafia in Italien, der Camorra. Er beschrieb detailliert deren Praktiken und zeigte, wie tief sie in der italienischen Wirtschaft verwurzelt ist. Der Name „Gomorrha“ leitet sich von der biblischen Stadt Gomorrha ab, die der Sünde verfallen ist und soll klanglich an die neapolitanische Camorra erinnern. Seit der Veröffentlichung seines Buches ist er im Fadenkreuz einer der gefährlichsten kriminellen Organisationen der Welt. Jetzt wurde sein Werk von Matteo Garrone als Film auf die Leinwand gebracht und er ist genauso offen und schonungslos wie seine Vorlage.
Kritik: „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“ gibt dem Zuschauer anhand von fünf Einzelschicksalen einen Einblick in die erbarmungslose Welt des Verbrechens in Italien. Im neapolitanischen Problemviertel Scampia entwickelt sich ein Krieg zwischen zwei Clans, zwischen dessen Fronten der dreizehnjährige Totò (Salvatore Abruzzese) gerät. Don Ciro (Gianfelice Imparato), seines Zeichens Buchhalter der Mafia zieht in den Plattenbauten von Wohnung zu Wohnung um den Familienmitgliedern Geld auszuzahlen. Er gerät bei einer Geldübergabe in ein Massaker und möchte sich aus seiner Arbeit zurückziehen. Der dritte Handlungsstrang beschäftigt sich mit dem Unternehmer Franco (Toni Servillo) und dessen Nachwuchsassistenten Roberto (Carmine Paternoster) die im Giftmüllhandel tätig sind. Jedoch zweifelt Roberto schon bald daran, ob dies wirklich seine Welt werden soll. Der Schneider Pasquale, der im Dienst der Camorra Haute Couture anfertigt, wird von einem chinesischen Unternehmer abgeworben. Er soll in dessen Fabrik die Arbeiter schulen und begibt sich damit in große Gefahr. Zu guter letzt wird die Geschichte von den zwei Kleinganoven Marco und Ciro (Marco Macor, Ciro Petrone)erzählt. Die beiden halbstarken „Scarface“-Fans legen sich in ihrer Naivität mit den Mafiabossen der Camorra an und werden zu einem Problem für den Clan, das beseitigt werden muss. „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“ ist kein glattgebügeltes Werk aus Hollywood. Der Film stilisiert die Charaktere nicht zu Helden, es ist kein „Pate“ und kein „Scarface“ sondern zeigt mit seiner Authentizität nur eine unangenehme Realität, vor der die Gesellschaft im Allgemeinen gerne die Augen verschließt.