Inhalt: 1964, St. Nicholas in der Bronx. Ein lebensbejahender, charismatischer Priester, Pater Flynn
(Philip Seymour Hoffman), versucht, die strengen Sitten der Schule auf den Kopf zu stellen,
die lange Zeit von Schwester
Aloysius Beauvier (Meryl Streep) grimmig gehütet wurden
- der mit eiserner Faust herrschenden Direktorin, die an die Macht von Furcht und Disziplin glaubt. Doch der Wind des politischen Wandels weht durch die Gemeinde und so nimmt die Schule sogar ihren
ersten schwarzen Schüler, Donald Miller, auf. Aber dann berichtet die hoffnungsvoll-naive Schwester James (Amy Adams) ihrer Direktorin, dass Pater Flynn dem kleinen Donald
zu viel private Aufmerksamkeit
widmet. Schwester Aloysius startet sofort einen Kreuzzug, um die Wahrheit herauszufinden und Flynn von der Schule zu vertreiben.
Ohne jeglichen Beweis und nur mit ihrer moralischen Sicherheit gewappnet, verstrickt
sie sich mit Pater Flynn in einen Glaubenskampf, der die Institutionen von Kirche und Schule zu zerreißen droht - mit verheerenden Konsequenzen.
Kritik: In seinem ersten Film seit 18 Jahren adaptierte John Patrick Shanley sein mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnetes
Broadway-Stück „Doubt“
selbst für die Leinwand.
Man ahnt es schon nach den ersten Minuten, dass während
des gesamten Films eine Stimmung in der Luft hängt, die das Publikum in ein provozierendes
Geheimnis hineinzieht.
Das schauspielerische
Quartett - ebenso wie das Publikum selbst - werden mit ihren innersten Überzeugungen
konfrontiert, als sie mit vorgefertigten Meinungen und Urteilen, Überzeugungen und Zweifeln ringen. Zudem sorgen die eiskalten Bilder und die realistische Geschichte
für eine beklemmende Atmosphäre.
Und die beiden grandiosen Hauptdarsteller liefern sich dank einer intelligenten
Story (Oscarnominierung
für das beste Drehbuch sehr wahrscheinlich), ein psychologisches
Duell der Extraklasse,
das einem den Atem raubt. Meryl Streep als autoritäre
Direktorin einer Klosterschule
liefert eine extrem angsteinflößende Vorstellung ab, die stark oscarverdächtig
ist. Ebenso preisverdächig ist Philip Seymour Hoffman (emfiehlt sich für den Oscar für die beste männliche Nebenrolle)
als scheinbar vertrauenswürdiger
Priester. Eine hervorragende Leistung zeigt auch Amy Adams („Enchanted-
Verwünscht“) als die schüchterne und verunsicherte
Lehrerin, die sich entscheiden
muss auf welcher Seite sie steht. Auf der Seite der Direktorin oder der des Priesters. Ihre vielleicht bisher
beste Darbietung überhaupt!
Das gleiche gilt für Viola Davis („Traffic - Macht des Kartells“), die die Mutter von Donald Miller spielt. Das Gespräch von Davis mit Meryl Streep gegen Ende des Dramas
zeigt Gefühl, Verzweiflung
und Tiefgang.
Fazit: „Glaubensfrage“ ist anspruchsvolles
Charakterkino, das man auf gar keinen Fall verpassen sollte!