Filmtest September - Friedliche Zeiten

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Inhalt:
„Friedliche Zeiten“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Birgit Vanderbeke, portraitiert die Familie Strieslow, eine typisch deutsche Kleinfamilie im Jahre 1968, welche vor sieben Jahren aus der DDR in den Westen floh, um dort unbekümmerter zu leben. Doch wirklich angepasst an das westdeutsche Leben hat sich diese Familie immer noch nicht. Mutter Irene Striesow (Katharina Schubert) trauert der DDR-Zeit hinterher, verschließt sich und ihre Kinder in der Wohnung, misstraut ihrem Mann, dem Vater der Kinder, Dieter Striesow (Oliver Stokowski) und rechnet jederzeit mit dem Ausbruch des 3. Weltkrieges. Der 3. Weltkrieg bricht nicht aus, jedoch führt das ewige Misstrauen und die darauf folgenden Depressionen Irenes zu einem kriegsähnlichen Zustand in den heimischen vier Wänden der Strieslows. Ihre sich häufenden Suizidversuche verunsichern die Kinder Ute (Nina Monka), Wasa (Leonie Brill) und Flori (Tamino Wecker), welche die Mutter nach eigenen Aussagen mit in den Tod nehmen will. Dieter hingegen steht der westlichen Lebenskultur offener gegenüber und versucht an Lebensfreude jeden Moment nachzuholen, der ihm im Osten entgangen ist. „Gibt es überhaupt irgendeine Sache, in der wir uns ähnlich sind?“ wird die entwurzelte Ehefrau zu einem späteren Zeitpunkt ihren Gatten ratlos fragen… Schließlich sehen die älteren Töchter nur noch einen Ausweg: die Scheidung ihrer Eltern, damit der häusliche Segen wiederhergestellt wird. Denn wie Wasa so treffend feststellt: “Lieber geschieden als tot!“ Und so wird auch der jüngere Sohn Flori gezwungen sich dem Scheidungskomplott der beiden Schwestern nach anfänglichem Zögern anzuschließen.

Kritik:
Diese Tragikkomödie, welche großteils aus Sicht der beiden fürsorglichen Schwestern Wasa und Ute berichtet wird, wirft einen nostalgischen Blick auf die Vergangenheit, ohne diese kitschig zu verklären. Es ist erfrischend diesen Ost/West-Konflikt aus der Perspektive der Kinder zu verfolgen, welche zwar hauptsächlich im Westen aufgewachsen sind, die aber ihre ostdeutschen Wurzel dennoch nicht abschütteln können, was nicht nur durch ihre Outfits und die Wohnungseinrichtung klar wird. In einigen Sequenzen ist es wirklich anstrengend die psychisch- labile Irene bei einem erneuten Selbstmordversuch beobachten zu müssen. Fühlt man sich doch als Zuschauer so hilflos, dass man nicht eben kurz vom Kinosessel aufspringen kann, um diese verwirrte und verängstigte Frau davon abzuhalten ihre eigene und eigentlich intakte Familie zu zerstören. Der Kinobesucher möchte in solchen Szenen die unfähige Mutter am liebsten vor sich selbst schützen und ist schon gewillt sein Handy herauszuholen, um die nächstbeste Klinik zu informieren, damit den Kindern nicht noch mehr seelischer Schaden zu gefügt wird. Alle drei Kinder gehen allerdings sehr reif, routiniert und gelassen mit ihrem Familienschicksal um und die kinderlichen Scheidungsideen sind überaus unterhaltsam. Die renommierte Drehbuchautorin Ruth Toma (u.a. „Kebab Connection”) legt dabei vor allem den beiden älteren Mädels hin und wieder zu altkluge Dialoge in den Mund, was an der Glaubwürdigkeit der beiden Charaktere etwas zweifeln lässt. Der 98-minütige Film, gedreht in und um München herum, ist eine liebevoll arrangierte Zeitreise in die 60er und 70er Jahre.

Punkte:

Autor: Sonja Mayer

Zusatzmaterial:
- Trailer