Inhalt: Der Schüler Alexander
(Markus Krojer) würde so gerne den großen Malwettbewerb
seiner Schule gewinnen, um seiner Mitschülerin
Lotte (Zoe Mannhardt)
zu imponieren, in die er verliebt ist. Nach Schulschluss
verbringt Alexander seine Zeit am liebsten mit ein paar Klassenkameraden, zu denen neben Lotte auch sein bester Freund und Klassentüftler
Maulwurf (Dominik
Nowak) gehört. Als der Zufall ihm Maulwurfs neueste
Erfindung, die Perlmutterfarbe,
in die Hände spielt, gerät Alexanders Leben aus den Fugen. In der Klasse wird fieberhaft nach dem Dieb gefahndet, aber statt mit der Wahrheit rauszurücken,
greift Alexander zu einer
Notlüge. Gruber (Benedikt
Hösl), ein unliebsamer Klassenkamerad, deckt Alexander
und nutzt dessen Abhängigkeit
für seine Zwecke. Geschickt lenkt er den Verdacht
auf die Parallelklasse und tritt eine Hetzkampagne los. Alexander verstrickt sich in ein Lügengespinst und entfernt sich immer weiter von Maulwurf und seinen Freunden, während Gruber die beiden Klassen hinterhältig
gegeneinander ausspielt...
Kritik: Basierend auf dem Buch „Die Perlmutterfarbe“ von Anna Maria Jokl, versucht sich Regisseur Marcus
H. Rosenmüller an einer Geschichte über Freundschaft,
Lüge und Wahrheit aus der Perspektive von Kindern.
Bereits durch sein Kinodebüt
„Wer früher stirbt, ist länger tot“ hatte sich dieser
einen Namen gemacht und wagt sich in seinem Fortgängerfilm wieder an eine Story über junge Menschen,
die trotzdem alle Generationen
ansprechen soll.
Anna Maria Jokl schrieb „Die Perlmutterfarbe- ein Kinderroman
für fast alle Leute“ in den dreißiger Jahren im Prager Exil. Im Mikrokosmos einer Schule fängt sie die drohende Welt des heraufziehenden
Nationalsozialismus
ein, vor der sie 1933 aus Berlin geflohen war. Erzählt wird vom Gegeneinander zweier Schulklassen, vom Prozess einer Gruppenbildung,
bei dem aus Lüge und Feigheit Verleumdung und Verrat entstehen. Es geht um Machtgier und Mitläufertum und um den Versuch einzelner, trotz alledem die eigene Integrität zu wahren.
Diese sehr ernste Thematik katapultiert der Regisseur in ein verschneites, bayerisches
Dorf, womit er seine
Heimatfilm-Reihe weiter fortführt. Wie im Roman spielt der Film im Jahre 1931. Subtile Andeutungen an den Nationalsozialismus sind an vielen Stellen im Film erahnbar,
Stimmung und Kleidung der Darsteller deuten es an, auch wenn der Regisseur die heranziehende Zeit nicht bewusst
thematisiert, um die Grundthematik des Filmes nicht zu unterlaufen und die subtile Symbolik versteckt einzusetzen.
Wie bereits in „Wer früher stirbt, ist länger tot“ spielt Markus Krojer die Hauptrolle
als frechen Lausbub, der durch eine Notlüge in eine extrem brisante Situation gerät. Alexander ist schwer verliebt in Lotte, deswegen will er auch unbedingt den Malwettbewerb gewinnen, da er damit Lotte sicherlich beeindrucken kann. Der Zufall
will es so, dass Alexander
an eine perfekte Vorlage
für den Malwettbewerb unter dem Motto der „Der Beruf meines Vaters“ und an die von Maulwurf kreierte Perlmutterfarbe gerät. Um beides zu behalten, muss Alexander lügen, um in der Klasse nicht als Dieb aufzufliegen.
Sein Klassenkamerad
Gruber bekommt dies aber mit und erpresst Alexander
mit seinem Wissen. In Wirklichkeit nutzt Gruber aber dessen Unsicherheit und Angst, um seine faschistoiden
Pläne umzusetzen und die beiden Parallelklassen
gegeneinander aufzuhetzen....
Markus H. Rosenmüller verpackt
seine Version des Romans
mit viel Ironie, Humor und schafft es eine Geschichte
für Kinder und Erwachsene
zu basteln. Ob es nun abenteuerliche Kinderabenteuer
oder das ernste Thema des Faschismus und seine magnetische Anziehungskraft
in der Gruppendynamik
sind, als Zuschauer ist es einem überlassen seine
eigene Schablone über den Film zu legen und darüber
nachzudenken.
Doch bei all dem Lob muss doch erwähnt werden, dass der Film auf manchen Ebenen
zu übertrieben moralisch
wirkt und die faschistoiden
Züge des Filmes sehr stark an „die Welle“ erinnern
lassen.
Klar konzentriert sich der Regisseur
auch auf die menschliche
Ebene, was denn passieren
könnte, wenn man sich zu sehr in Notlügen verstrickt und nicht mehr rauskommt. Zieht man seinen
Kopf noch mal aus der Schlinge? Und was passiert, wenn ein Kind in eine derartige
Situation gerät? Prinzipiell
eskaliert die Situation im Film am Ende in einer Weise, dass das moralische, positive Ende etwas unglaubwürdig
und zu idealistisch
erscheint.
Doch der Film gewinnt vor allem durch seine bayerische Herzlichkeit, nett inszenierte Haupt- und Nebendarsteller, ein schönes Panorama, verbunden
mit einer Prise Ironie.