Filmtest Juni - Die Klasse

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Inhalt:
„Die Klasse“ ist ein halbdokumentarisches Drama, in dem es um den Alltag an einer Schule während eines Schuljahres in einem französischen Problem-Vorort geht, in der ein Lehrer versucht, Immigrantenschülern Französisch beizubringen. Es geht um den Konflikt zwischen Lehrer und Schüler und der Aufgabe des Lehrers als Erzieher…

Kritik:
Zum ersten Mal nach 21 Jahren erhielt ein französischer Film die „goldene Palme“ des Internationalen Festivals in Cannes. Unter dem Vorsitz von Jean Penn zeichnete die Jury „Entre les murs“ (Die Klasse) mit dem Hauptpreis aus. Eigentlich galt der Film nicht als Favorit, doch nach der Aussage von Jean Penn fiel die Entscheidung für den Film einstimmig. Als Basis für das Drehbuch von Laurent Cantet und Robin Campillo zu „Die Klasse“ diente das Buch von Francois Bégaudeau „Entre les murs“ (2006). Hier erzählt ein ehemaliger Lehrer über den Alltag als Französischlehrer an einer Schule während eines ganzen Schuljahres. Inspiriert durch das Buch wurde schnell eine geeignete Schule gefunden (das Collège Francoise Dolto im 20. Arrondissement von Paris), um die Szenerie seines Filmes zu untermauern. Der Regisseur lud Schüler und Lehrer zu Vorbereitungsworkshop ein und fand seine perfekten Besetzungen für die Rollen. In dem Film geht es in erster Linie darum, im dokumentarischen Stil dem Zuschauer den Alltag an einer Problemschule vorzuführen. Es werden alle gesellschaftlichen Konfliktpotentiale konzentriert in einem Film präsentiert. Brisante Themen wie Ungleichheit, Integration und kulturelle und soziale Ausgrenzung werden behandelt, womit die Schule hier als gesellschaftlicher Spiegel fungiert. Francois Marin unterrichtet eine 7. Klasse und versucht den Schülern den Zugang zur französischen Sprache mit verschiedenen Mitteln zu ermöglichen: Er liest mit den Schülern Voltaire, Anne Frank, er liefert sich mit den Schülern hitzige Diskussionen, lässt sie ihre Selbst-Portraits schreiben… Der Blickwinkel wird sehr stark auf die Beziehung zwischen M. Matin und seinen Schülern fokussiert. In erster Linie geht es um Dialoge, sich ständig ändernde und anhaltende Streitgespräche zwischen Schüler und Lehrer. Gleichzeitig werden im Film aber auch Grenzsituationen nachgezeichnet, denen sich die Lehrer in einem solchen Problem-Viertel permanent stellen müssen. Im Hintergrund wird dazu gezeigt, wie Lehrer versuchen den Brennherd Schule zu minimieren und nach Konfliktlösungen suchen. Dabei wird nie die Perspektive der Schüler miteinbezogen, was darauf schließen lässt, dass es in erster Linie um die Sicht und Funktion des Lehrers in diesem Film geht. Eine andere Form von „Dangerous Minds“, in der die Kamera nie den Schauplatz Schule verlässt und sich auf deren innere Räume fokussiert, in der man durch die ständige, enge Nähe zu den Protagonisten, den andauernden Dialogen nicht entkommen kann und keinen Raum zum Atmen bekommt. Es gibt keine Entspannung, keine Pause alles wirkt konzentriert ohne erholende Momente. Man entwickelt während des Filmes ein beklemmendes Gefühl im Magen und empfindet den Film gen Ende durchaus auch als anstrengend. Doch genau dies möchte der Film zeigen: den kräftezehrenden Alltag an einer Schule mit all seinen Schattenseiten und Konfliktsituationen, aber auch die positive, belehrende, pädagogisch-erzieherische Rolle des Lehrers soll demonstriert werden, die doch etwas zu idealistisch in diesem Film rüberkommt. Ein durchaus zu empfehlender Film, der durch den dokumentarischen Stil sehr authentisch wirkt und durch seine Kameraführung und seine Darsteller überzeugen kann.

Punkte:

Autor: Christina Theodoridou