Filmtest September - Der Baader Meinhof Komplex

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Inhalt:
Deutschland in den 70ern. Die radikalisierten Kinder der Nazi- Generation, angeführt von Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), der ehemaligen Starkolumnistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek), kämpfen gegen das, was sie als das neue Gesicht des Faschismus begreifen: Die US-amerikanische Politik in Vietnam, im Nahen Osten und in der Dritten Welt, die von führenden Köpfen der deutschen Politik, Justiz und Industrie unterstützt wird. Die von Baader, Meinhof und Ensslin gegründete Rote Armee Fraktion hat der Bundesrepublik Deutschland den Krieg erklärt. Es gibt Tote und Verletzte, die Situation eskaliert, und die noch junge Demokratie wird in ihren Grundfesten erschüttert. Der Mann, der die Taten der Terroristen zwar nicht billigt, aber dennoch zu verstehen versucht, ist auch ihr Jäger: der Leiter des Bundeskriminalamts Horst Herold (Bruno Ganz). Obwohl er große Fahndungserfolge verbucht, ist er sich bewusst, dass die Polizei allein die Spirale der Gewalt nicht aufhalten kann...

Kritik:
Basierend auf dem Bestseller Baader-Meinhof- Komplex (1985) von Stefan Aust, wagt sich Produzent Bernd Eichinger an ein riskantes Thema deutscher Nachkriegsgeschichte: die RAF (Rote Armee Fraktion). Im Mittelpunkt stehen die Ereignisse von 1967 bis zum „deutschen Herbst“ 1977. Die Zeitspanne reicht vom Tod des Studenten Benno Ohnesorg im Juni 1967 bis zur Entführung der Lufthansa- Maschine Landshut und der Ermordung Schleyers im Oktober 1977. Viel wurde im Vorfeld über den Film diskutiert und gemutmaßt, am 16. September war es endlich soweit: Die Weltpremiere in München. Der Film wurde mit betretenem Schweigen aufgenommen, mehrere Minuten später kam dann der Beifall. Nun soll der Film Anwärter für den Oscar werden… Deutschland in den 60er Jahren: Die Jugend nach der Nazi-Generation bäumt sich gegen autoritäre Strukturen auf, vereint sich, Studenten suchen nach neuen Lebensformen, brechen die Strukturen der Kleinfamilie. Man kämpft gegen die US-Politik in Vietnam, im Nahen Osten und in der Dritten Welt. Bald aber entspringt aus dieser Bewegung eine gewalttätige, militante Bewegung, die gegen die imperialistische Gesellschaft und die führenden Köpfe der deutschen Politik, Justiz und Industrie kämpfen will. Die gegründete RAF (Rote Armee Fraktion) klaut Autos, kassiert Geld durch Geldüberfälle, sprengt Bomben in die Luft. Und sie macht auch vor Ermordungen wichtiger Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft nicht Halt. Ein fesselndes Psychogramm über die Entwicklung der RAF. Eine desillusionierte Jugend gleitet in ihrem Idealismus in den Terrorismus und in die Radikalität ab. Eine hysterische, geradezu fanatische Bewegung. Eine Gratwanderung des Produzenten Eichinger, denn der Film wird aus der Perspektive der RAF dokumentiert. Trotzdem driftet der Film nicht in die Glorifizierung der Täter ab. Regisseur Uli Edel ist sich sicher, dass man die Gefühle der Überlebenden des Terrors und ihre Familien nicht verletzt hat, denn der Film wurde ihnen bereits vorab gezeigt und stieß auf positive Reaktionen. Außerdem ist er der Meinung, dass man den Terror mit seinem wahren Gesicht präsentiert und somit die Interessen der Leidtragenden gewahrt werden. Bernd Eichinger konzentrierte sich beim Drehbuch auf genaue Recherche, Authentizität und präzises Nachzeichnen der Dialoge der Täter. Regisseur Uli Edel drehte an Originalschauplätzen, um diese Ereignisse zu untermauern. Schießereien wurden mit der gleichen Brutalität, wie sie auch in der Realität waren, filmisch umgesetzt. Es gibt keine Erfindungen, keine Übertreibungen. Der Film besteht aus vielen eingeblendeten Originalaufnahmen aus Film und Fernsehen, drastische Mordszenen werden nicht verharmlost, sondern realitätsnah nachgezeichnet. Der Fokus des Filmes sind die Taten nicht die Theorien der RAF, da Bernd Eichinger der Meinung war, dass sich die RAF für den Kampf und gegen die politische Debatte entschieden hatte. Also musste dies auch im Film so umgesetzt werden. Eine differenzierte Darstellung der geschichtlichen Ereignisse, des bewaffneten Kampfes der RAF, kontinuierlich spannend mit gut inszenierter Dramatik, ohne Erklärung oder Antworten, stattdessen werden Fragen aufgeworfen, wie zum Beispiel: „Wie weit darf man gehen im Kampf für eine bessere Welt?“ Gut inszenierte, hochkarätige Haupt- und Nebendarsteller geben dem Film eine sehr hohe Qualität. Ein vielschichtiger Film, der versucht alle Fakten zu erzählen und zu bündeln, ohne dabei zu werten.

Punkte:

Autor: Christina Theodoridou

Zusatzmaterial:
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