Filmtest Januar - Catch a Fire

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Inhalt:
Patrick Chamusso (Derek Luke) lebt in Südafrika und ist ein einfacher Arbeiter in einer Ölraffinerie, als Schwarzer hat er in den 80er Jahren jedoch nicht viel zu sagen, denn in Südafrika herrscht immer noch das Apartheid-System. Er hat aber mit Politik nichts zu tun und versucht auch keinesfalls gegen die Regierung vorzugehen. Im Gegenteil, Patrick kümmert sich liebevoll um seine Frau Precious (Bonnie Helena) und seine beiden kleinen Töchter, in seiner Freizeit trainiert er das örtliche Jugendfußballteam. Ganz anders Nic Vos (Tim Robbins), er ist weiß und Chef der nationalen Sicherheitsbehörde. Vos versucht alles, um gegen die Terroristen im Land vorzugehen um sich und seiner Familie ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Eines Tages wird ein Anschlag auf die Ölraffinerie verübt. Patrick ist unschuldig, wird aber von Vos verdächtigt und verhaftet. Während seiner Zeit in Gewahrsam wird er von den Beamten immer wieder verhört und gefoltert, sogar Precious wird davon nicht verschont. Wieder frei und von der ihm zugefügten Gewalt geprägt, entschließt sich der sonst so friedliche Patrick der illegalen Widerstandspartei ANC beizutreten um für sein Land zu kämpfen.

Kritik:
Eines der wichtigsten physikalischen Gesetze der Mechanik ist das Wechselwirkungsgesetz von Newton. Dieses besagt, dass auf einen Körper die entsprechende Gegenkraft wirkt, sobald er selbst eine Kraft auf einen anderen Körper ausübt. Also: Actio gleich Reactio. Dieses Gesetz würde seinen Sinn auch dann nicht verlieren, würde man die Wörter „Körper“ und „Kraft“ durch „Mensch“ und „Gewalt“ ersetzten. Folglich: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Dieses erschreckende und recht barbarische „Auge um Auge“-Prinzip wurde schon in vielen Filmen thematisiert, doch keinem ist es gelungen eine derart nachhaltige Wirkung auf den Zuschauer auszuüben wie „Catch a Fire“. Regisseur Phillip Noyce ist es bravurös gelungen die wahre Geschichte des Patrick Chamusso, in packenden und zugleich extrem realistischen Bildern zu erzählen. Diese bedrückenden und schonungslosen Bilder zeugen von einer derartigen Schlagkraft, dass man fast schon ohnmächtig und wie gelähmt im Kinosaal sitzt, zu heftig und gleichzeitig emotional äußerst berührend ist das Ganze. Dem kommt auch die, an Realismus nicht zu steigernde Grundstimmung, die der Film von Anfang an aufbaut, zugute. Sei es durch teils eingestreute reale Bilder oder einfach durch die Tatsache, dass dem Zuschauer klar ist, dass sich diese Ereignisse vor nicht einmal 20 Jahren immer noch abgespielt haben. Eine solche Intensität kann man nicht einmal dem Oscar prämierten Meisterwerk von Paul Haggis, „L.A. Crah“, zusprechen. Diese Atmosphäre wird hervorragend durch die musikalischen Aspekte des Filmes unterstrichen. Natürlich enthält der Film auch ganz normale Musikstücke, die etwa während den spannenden Momenten einsetzen. Und auch einige bekannte afrikanische Reggaelieder ertönen hin und wieder. Das ist auch soweit alles wunderbar und passt auch perfekt, aber das eigentliche Herzstück des Soundtracks bilden die afrikanischen Volkslieder. Diese von den Protagonisten gesungenen Lieder zeugen von viel Herzblut und bringen gleichzeitig die Gefühle der schwarzen Bevölkerung präzise auf den Punkt und verleihen zusätzlich „Catch a Fire“ das besondere Etwas. Auch die Schauspieler tragen durch ihre ansprechenden Leistungen zum Gelingen dieses Werkes bei. Da stört es kein bisschen, dass die Darsteller größtenteils unbekannt sind und der einzig wirklich Bekannte Tim Robbins ist. Alle agieren sehr glaubhaft und vor allem Derek Luke spielt den von innerer Wut geplagten und gleichzeitig zärtlichen Familienvater äußerst intensiv. Aber auch der eben genannte Tim Robbins agiert wie gewohnt auf hohem Niveau. Bleibt zu hoffen, dass es „Catch a Fire“ schafft, die Menschen aus ihrer passiven Lethargie zu reißen und sich das Wechselwirkungsgesetz bald nur noch auf physikalischer Ebene anwenden lässt.

Punkte:

Autor: Fabian Ohrner