Inhalt: Die Brüder Terry und Ian, Typen aus der Lower-Class, leben in London. Beide kämpfen mit finanziellen Sorgen. Terry (Colin Farrell) hat sich durch seine Spielsucht bei Kredithaien hoch verschuldet. Ian (Ewan McGregor) hilft im Restaurant der Familie aus, möchte aber gerne seine Karriere durch Immobiliengeschäfte in Kalifornien starten. Hilfesuchend wenden sie sich an den reichen und erfolgreichen Onkel Howard (Tom Wilkinson). Gerne möchte dieser helfen, wenn seine Neffen ihn aus seiner misslichen Lage retten. Die Brüder sollen einen Geschäftspartner beseitigen, der Onkel Howards ungesetzliche Geschäftspraktiken aufdecken will. Angetrieben durch Egoismus und durch die Hoffnung auf eine rosige Zukunft lassen sich Ian und Terry auf den Deal ein. Leider wird ihnen erst zu spät klar, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn eine gewisse Grenze erst einmal überschritten ist...
Kritik: Nach dem Psychodrama „Match Point“ (1995) und der Krimikomödie „Scoop- Der Knüller“ (2006) ist „Cassandras Traum“ der dritte Film, den Woody Allen in London dreht.
"Es ist eine grausame Welt" sagt Ian zu Terry und genau darum geht es im Film: In "Cassandras Traum" versucht Woody Allen einen bitterbösen Psychothriller zu kreieren, der sich um Liebe, Familienzusammenhalt, soziale Schranken und der moralischen Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt, dreht.
Leider kann der Film nicht als gelungener Nachfolger von "Match Point" brillieren, sondern wirkt eher wie eine lahme und langatmige Kopie dessen.
Schon zu Anfang ahnt der Zuschauer böses. Denn das Boot der Brüder trägt den Namen „Cassandra“. Dies lässt an die Unheil verkündende Seherin aus der griechischen Mythologie erinnern.
Die Story wirkt energielos, stilisiert, plump, vorhersehbar und emotionslos. Die Dialoge sind einfach und platt und wirken einem Woody Allen nicht würdig. (Terry: Hat man eine Grenze überschritten, gibt es kein Zurück mehr. Ian: Bestraft zu werden, macht es auch nicht vergessen!) Es fehlt an Intensität, Logik und Glaubwürdigkeit.
Die Geschichte wirkt unglaubwürdig und auch durch das "dramatische", aber eigentlich vorhersehbare Ende nicht spannender oder beklemmender. Von Anfang an ist klar, dass die Brüder ihren Weg bis zum „bitteren Ende“ gehen müssen, nachdem sie die Grenze überschritten haben.
Die Familienloyalität, die im Film thematisiert wird, wirkt nicht in den Kontext passend und in keiner Weise sozialkritisch und glaubwürdig. Einige Filmpassagen und Wendungen wirken derart unlogisch und inkonsequent, dass sie schon fast komisch auf den Zuschauer wirken.
Woody Allen beschäftigt sich auch hier wieder mit der Ironie des Schicksals, moralischen Taten, Verbrechen, Sühne und selbstsüchtigen, aber wunderschönen Frauen. Leider fehlt der für Woody Allen so typische Blick fürs Komische und Absurde. Der Genrewechsel zwischen Kriminalstück und Familientragödie, der sich am Ende als großes Moralstück entpuppt, hat leider nicht seine Wirkung erzielt. Die schauspielerische Leistung von Ewan McGregor als kaltherziger Blender und Colin Farrell als labiler, den Depressionen verfallenen Verlierer-Typen, lässt sich aber positiv hervorheben.