Inhalt: Scheidungen sind zweifellos etwas Unangenehmes, doch wenn man außer seinem Partner nichts mehr im Leben hat ist es besonders schlimm. Das muss auch der gläubige ehemalige Blues-Musiker Lazarus (Samuel L. Jackson) feststellen, nachdem seine Frau sich endgültig von ihm trennte. Früher füllte Lazarus mit seiner Band sämtliche Bars und Clubs, doch jetzt ist er völlig alleine und verbittert. Ganz anders Rae (Christina Ricci), die hat zwar einen festen Freund namens Ronnie (Justin Timberlake), doch das stört sie wenig, sie macht ihrem Ruf als Stadtschlampe alle Ehre. Seit dem sie als kleines Mädchen vergewaltigt wurde, leidet sie an einer Art Sexbesessenheit. Auch als Ronnie sie für längere Zeit wegen seines Militärdienstes verlassen muss, ist sie darüber nicht lange traurig, im Gegenteil, auf der nächsten Party holt sie sich, was sie braucht. Jedoch nimmt sie nicht jeden und als sie das Angebot von Ronnies Freund ablehnt, schlägt dieser sie brutal zusammen und lässt sie auf der Straße liegen. Dort wird sie von Lazarus gefunden und wieder aufgepäppelt. Doch als dieser merkt, was für ein Problem sie wirklich hat, will er sie kurzerhand heilen. Da Rae damit aber so gar nicht einverstanden ist, muss Lazarus zu drastischeren Mitteln greifen.
Kritik: Schmutz: „Als Schmutz bezeichnet man die Verunreinigung eines Gegenstandes, einer Fläche, Person, oder anderer Dinge. Umgangssprachlich wird Schmutz auch als Dreck bezeichnet.“ Dieser Lexikon-Auszug einer freien Enzyklopädie erklärt zwar die eigentliche Bedeutung dieses Wortes, aber wie kann man ausdrücken, dass man sich auch dementsprechend fühlt, schmutzig, dreckig, richtig elend also. Manche, vorwiegend afroamerikanische, Einwohner der Vereinigten Staaten von Amerika haben hierfür eine hervorragende Methode: den Blues. Diese Musikform handelt zumeist von schmerzhaften Erfahrungen wie etwa unerwiderter Liebe, Arbeitslosigkeit oder Hunger. Kein Wunder also, dass auch die Texte dieser Musik meist richtig schmutzig sind. Ein Film, in dem der Blues eine zentrale Rolle spielt muss also vor allem eines sein: dreckig. Genau dieses Kriterium erfüllt „Black Snake Moan“ auch vortrefflich, das soll jedoch keineswegs negativ aufgefasst werden, gemeint ist die Atmosphäre, die der Film versprüht. Er schafft es nämlich nahezu perfekt, dieses heruntergekommene, fast schon hinterwäldlerische Südstaaten-Feeling zu erzeugen. Weit und breit gibt es nichts, außer Feldern, einem kleinem Kaff und natürlich der sengenden Hitze. Dazu diese gemächliche Art, die auch den Film infiziert hat, alles zieht einen förmlich in dieses Ambiente hinein. Ein Ambiente, in dem der Blues seine Wurzeln hat, in dem er der zentrale Lebensinhalt aller Protagonisten ist und stets allgegenwärtig scheint. Ob nun bei einem alten, verbitterten Blues-Musiker, der außer Gottesfurcht und der Musik nichts mehr hat, woran er sich klammern kann, oder einer jungen, schlüpfrigen Frau die ihren Blues jede Nacht in Alkohol, Drogen und Männern sucht um der Vergangenheit zu entschwinden. Aus dem Aufeinandertreffen dieser beiden Figuren entspinnt sich dann auch eine wunderbare, teils amüsante, teils einfühlsame, Geschichte, die nur selten, vor allem gegen Ende, ein wenig ins Kitschige abrutscht. Doch dass diese Story überhaupt so lebensnah und nahezu greifbar vermittelt wird, liegt größten Teils an dem grandiosen Samuel L. Jackson. Wenn man ihn da so auf seinem Traktor sitzen sieht, in seinem ehemals weißen Unterhemd, mit seinen grauen Haaren und der Zigarette im Mundwinkel hängend, dann vergisst man schlagartig den coolen Killer aus „Pulp Fiction“ oder den lässigen Jedi aus „Star Wars“. Er agiert einfach so unglaublich echt, alles wirkt so real, dass man den Schauspieler dahinter gar nicht erkennt und das ist die große Kunst. Zudem macht er auch singend alles andere als eine schlechte Figur, wenn er etwa mit der Band in einer Bar spielt ist das höchst mitreißend ob der Qualität. Was er singt ist natürlich klar: den Blues. Dem kommt in diesem Film nicht nur eine Rolle als entscheidendes Element der Story zu, selbstverständlich besteht auch der Soundtrack aus Stücken dieses Genres. Allesamt sind sie hervorragend gewählt, jedes einzelne Lied fügt sich nahtlos ein und unterstützt den Film auf eine vortreffliche Art und Weise. Und wenn man diesen Stücken und dem legendären Blues-Sänger Son House, der hier und da etwas über den Blues an sich erzählt, lauscht, dann vergisst man den ganzen Schmutz und das Elend, die diese Musikrichtung prägen, dann nämlich findet man die Lieder einfach nur noch wunderschön.