Inhalt: New Orleans August
2005: Während
Hurrikan Katrina unaufhaltsam
auf die Golfküste zusteuert, fordert die im Sterben liegende Daisy
(Cate Blanchett) ihre Tochter
Caroline (Julia Ormond) auf, ihr aus einem Buch vorzulesen.
Es ist das Tagebuch von Benjamin Button (Brad Pitt), dessen Leben untrennbar
mit Daisys verwoben gewesen
ist.
„Ich bin unter außergewöhnlichen
Umständen geboren“. Mit diesem Satz beginnt die Lebensgeschichte von Benjamin.
Die Filmfassung einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald aus den 1920er- Jahren.
Ein Mann kommt 1918, am letzten Tag des ersten Weltkrieges,
als über 80-jähriger Greis auf die Welt und wird immer jünger. Seine Mutter stirbt nach der Entbindung und sein Vater Thomas Button
(Jason Flemyng) weiß sich nicht anders zu helfen als das Kind auszusetzen, erschrocken
durch das Baby in der greisenhaften Erscheinung,.
Die farbige Altenpflegerin
Queenie (Taraji P. Henson)
findet das Baby auf ihrer Treppe liegend und zieht es wie ihren eigenen Sohn auf. In dieser Umgebung trifft Benjamin auch das erste Mal auf Daisy (später: Cate Blanchett),
die geistig seinem Alter entspricht. Als Benjamin
körperlich immer jünger wird, arbeitet er auf einem Boot von Captain Mike (Jared Harris), er hat eine Affäre mit der Ehefrau eines britischen Spions (Tilda Swinton) und er wird auch in eine Seeschlacht zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges
involviert. Während seiner Reisen bleibt er immer mit Daisy postalisch im Kontakt.
Daisy hat mittlerweile eine Karriere als Balletttänzerin
angefangen. Als beide sich auf das gleiche Alter zu bewegen, treffen sie einander
wieder in New Orleans…
Kritik: Das Leben würde unendlich
viel glücklicher
verlaufen, wenn wir mit 80 geboren und uns langsam auf 18 zu bewegen würden“ – ein Zitat von Mark Twain.
Diese Aussage inspirierte Autor F. Scott Fritzgerald zu seiner ungewöhnlichen Kurzgeschichte.
Regisseur David Fincher beschäftigte sich schon seit Jahren mit dieser
Geschichte und deren visueller Umsetzung, doch sie galt lange als zu ambitioniert,
um sie zu verfilmen. Doch 2009 kommt nach Zodiac
(2007) der neue Film von David Fincher in die Kinos.
Komisch ist es schon, dass Fincher die Rechte zu diesem Film bekam, nachdem seine letzten Filme sich eher um das Thema Gewalt und das Böse drehten und von düsteren
und dunklen Kulissen geprägt waren. Zu sehen beispielsweise
im genre- inspirierenden
Film Se7en (1995), dessen Titelsequenz in die filmische Geschichte eingegangen
ist. Wie auch in der zynischen Gesellschaftssatire
Fight Club (1999) oder im perfiden Spiel in The Game (1997), sowie auch im Belagerungsterror
in Panic Room (2002). Doch es scheint, dass Fincher seit seinem letzten Film Zodiac (2007) epischer in seinem filmischen Schaffen
geworden ist. Die Storyentwicklung
ist ruhiger und präziser geworden. Er legt seinen Fokus noch mehr auf das Detail.
Drehbuchautor Eric Roth konzipierte
die Geschichte. Er war schon für das oskarprämierte
Drehbuch von Forrest Gump (1994) verantwortlich.
Dies erklärt auch die Parallelen der beiden Filme: Ein intimes Portrait vor dem Hintergrund epischer Geschichten und Kulissen, durch David Finchers Detailversessenheit
perfekt inszeniert.
In New Orleans werden wir Zeuge der Lebensgeschichte
von Benjamin, vom Ende des ersten Weltkrieges 1918 bis ins 21. Jahrhundert – einer Lebensgeschichte wie sie ungewöhnlicher gar nicht sein könnte. Das grandiose Schicksalspanorama eines Mannes und der Menschen, denen er auf seinem Lebensweg
begegnet. Er findet die Liebe und verliert sie wieder, er freut sich des Lebens und trauert um die Toten. Die zentralen
Themen Leben, Tod, Liebe und Verlust sind essenziell
in diesem Film. Wie in Forrest Gump geht es um einen von Geburt an Benachteiligten.
Seine Mutter spielt ebenfalls eine tragende Rolle im Film, genauso bleibt seine
Jugendliebe eine durchgehende
Konstante in seinem Leben. Außerdem lässt die Figur des Captain Mike stark an Leutnant Dan aus Forrest Gump erinnern.
Doch trotzdem ist der Film in seiner Umsetzung einzigartig
und David Fincher bringt neue filmische Schöpfungen
auf die Leinwand. Die visuelle Umsetzung der Verjüngung oder des Alterungsprozesses
gelingen David
Fincher perfekt. Die als optisches Puzzle misslicher Umstände inszenierte Darstellung
der Zufälle, die zu Daisys Unfall führen ist ein absolutes Fincher- Highlight im Film. Genauso wirkt die hoch emotionale Schluss-Sequenz,
wenn die stark gealterte
Daisy ihre große Liebe Benjamin als Baby auf dem Arm hält, tief berührend und nachwirkend.... Mit ausdrucksstarken
Bildern konzipiert
Fincher seinen Film und lässt den Zuschauer enorm mitleben.
Doch die Überlänge des Films macht sich an einigen langatmigen
Stellen bemerkbar. Vor allem als Daisy und Benjamin endlich zueinander finden, scheint die Darstellung ihrer Alltagsprobleme etwas unauthentisch
und nicht intensiv und greifend genug, um mit der vorher aufgebauten Dramatik
mithalten zu können.
Es ist Brad Pitts dritte Rolle
an Finchers Seite, nach Se7en und Fight Club. Wieder
trumpft dieser durch eine hervorragende schauspielerische
Leistung auf. Die Darstellung des Benjamin ist zu beschreiben wie ein „Floß im Wasser“. Er wird von einer Etappe seines Lebens zur anderen
getrieben. Bei anderen Darstellern hätte dies vermutlich
passiv gewirkt, doch Brad Pitt verleiht der Rolle Authentizität und Emotionalität.
Die Schluss-Sequenzen des Films, wenn Brad Pitt wieder so jung aussieht wie zu Zeiten von Thelma & Louise
(1991) oder Se7en (1995), sind höchst beeindruckend in ihrer Wirkung auf den Zuschauer. Auch Kate Blanchetts
Alterungsprozess ist eine visuelle Errungenschaft, deren Faszination man als Zuschauer kaum entgehen kann.
Ganz anders wie seine vorherigen
Filme und dennoch einzigartig. Regisseur David Fincher überzeugt durch eine perfekt inszenierte Lebensgeschichte
unter ungewöhnlichen
Umständen, die durch die authentischen und emotional
echt agierenden Schauspieler
stark untermauert wird. Trotz der Ähnlichkeit zu Forrest Gump zeichnet sich der Film durch seine visuellen
Neuerungen und Bilder
aus, auch wenn manche Längen den Spannungsbogen etwas reduzieren.