Inhalt: Während sich
die Welt auf
die Olympischen Spiele in
Beijing im August 2008 vorbereitet,
nutzen die Tibeter die
weltweite Aufmerksamkeit um
ihr Leiden in ihrer seit 1950
durch China besetzten Heimat
vor Augen zu führen.
Und so erhält auch die bereits
vor 2 Jahren fertig gestellte
Dokumentation, „10 Fragen
an den Dalai Lama“, durch die
Ereignisse der letzten Monate
eine traurige Aktualität.
„10 Fragen an den Dalai Lama“
ist viel mehr als eine bloße Abhandlung
über das religiöse
und politische Oberhaupt der
Tibeter, als wie es der Filmtitel
vielleicht vermuten lässt.
Dem Regisseur und Produzenten,
Rick Ray, geht es nicht
in erster Linie darum eine lückenlose
Biographie über den
buddhistischen Mönch zu erstellen,
sondern vielmehr
nimmt er den Zuschauer mit
auf seine Reise durch Indien
bzw. Tibet deren abschließende
Krönung eine 45-minütige Privataudienz
mit „Seiner Heiligkeit“
darstellt.
Die knapp eineinhalbstündige
Dokumentation ist im Wesentlichen
in drei Abschnitte gegliedert:
Beginnend mit der Filmentstehung
und Auszügen aus dem
Reisetagebuch Rick Rays, weiterführend
mit Einblicken in die
Geschichte Tibets und dem Lebenslauf
des weltlichen Oberhaupts
und bedeutendsten
geistlichen Anführers des tibetischen
Volkes, bis hin zum abschließenden
Interview.
Rick Ray zeigt unbekanntes
Filmmaterial über das heutige
tibetische Leben, sowie den Tagesablauf
der Mönche. Er führt
Vorgespräche mit dem Leibwächter
des Dalai Lama, seinen
Mitarbeitern, den Mönchen.
Der Film porträtiert die verschiedenen
Gesichter des Dalai
Lama, welcher von den Tibetern
auch als „Ozean der Weisheit“,
„der Erfüllende“ oder
einfach „Kundün“, was übersetzt
in etwa „Gegenwart“ bedeutet,
bezeichnet wird.
Mal wird er als einfacher Mönch
gezeigt, der seinen strengen
Tagesablauf frühmorgens mit
einer Meditation beginnt; in
einer anderen Szene hingegen
lernen wir ihn als charismatischen
Mann kennen, welcher
auch über seine eigenen Fehltritte
herzhaft lachen kann und
im nächsten Moment sehen
wir in ihm den politischen Führer,
der schon in Jugendtagen
– einem Alter in dem andere
Heranwachsende bereits damit
überfordert sind morgens
pünktlich in die Schule zu kommen-
weitreichende Entscheidungen
für viele Menschen
und Glaubensanhänger treffen
musste und seiner Vorbildrolle dabei stets treu blieb.
Wenn der Regisseur schließlich
den 14. Dalai Lama in Dharamsala,
seinem indischen Exil,
trifft, ist man als Zuschauer –
durch eben dieses eingespielte
Archivmaterial – bestens vorbereitet
auf den biografischen
und historischen Grund, auf
dem die Einsichten „Seiner
Heiligkeit“ gewachsen sind.
Zehn soziale, ökologische und
philosophische Fragen werden
nun in den folgenden Minuten
mit jeder Menge Humor, aber
auch Gelassenheit und Weisheit
beantwortet.
Wobei keine exakten Antworten
oder Weltverbesserungsvorschläge
erwartet werden
sollten, sondern man die Worte
des Friedensnobelpreisträgers
vielmehr als einen Denkansatz
bezüglich ideeller Werte verstehen
sollte.
Aber vielleicht ist gerade dies
der Schlüssel zum Verständnis,
warum der Dalai Lama zu den
beliebtesten Oberhäuptern
zählt und das tibetische Volk
nun schon seit 68 Jahren durch
Höhen und Tiefen führt, was
die Regierungszeiträume von
z.B: Queen Elisabeth II. oder
Fidel Castro bei weitem überschreitet.
Dieser Mann liefert eben keine
einfachen und klaren Worte, da
er durch seine erlebnisreiche
Vergangenheit erkannt hat,
dass das Leben an sich nicht
einfach und klar, sondern weitaus
komplexer ist, als dass sich
sein Inhalt und Sinn auf einen
Dokumentationsfilm beschließen
und verkürzen ließe.
Kritik: Der Film an sich glänzt
gerade durch seine Einfachheit,
denn jedes
auch nur so kleine Extra an
Ausstattung, Beleuchtung oder
Effekten würde den Charakter
dieser Dokumentation zerstören.
Die Musik des mehrfach ausgezeichneten
Pianisten Peter
Kater untermalt hierbei sehr
eindrucksvoll die Stimmung.
Diese Dokumentation bildet
einen schönen Einstieg für jemanden,
der bislang nicht allzu
viel über diesen außergewöhnlichen
Buddhisten wusste, und
kann somit eine Grundlage
darstellen, um überhaupt im
bestehenden China-/Tibetkonflikt
mitreden zu können.
Zuschauer, die sich bereits
mehr mit dem Land Tibet, sowie
seiner Religion und Bevölkerung
auseinandergesetzt
haben, werden ebenfalls kleine,
interessante und vielleicht
sogar bislang nicht gekannte
Aspekte und Zusammenhänge
kennen lernen, wodurch sich
ihr Horizont erweitert und einer,
unserer westlichen Welt
fremden, einzigartigen Kultur
öffnet, welche ansonsten in
weiter Ferne liegt.